Türkische Geschichtsstudenten nach Hitlergrußvorwurf in Auschwitz festgenommen

Zweiter Vorfall seit Oktober

Einem Bericht der israelischen Tageszeitung Haaretz zufolge wurden gestern zwei türkische Studenten auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau unter dem Vorwurf festgenommen, dass sie unter der Torbogenaufschrift "Arbeit macht frei" den rechten Arm zum Hitlergruß erhoben und sich dabei gegenseitig fotografierten.

Den beiden 22 Jahre alten Touristen, von denen noch keine öffentliche Stellungnahme zu dem Vorfall vorliegt, droht Polizeisprecher Mariusz Ciarka zufolge nun eine Anklage wegen öffentlicher Verwendung nationalsozialistischen Symbolguts und eine Haftstrafe in Höhe von maximal zwei Jahren. Der Mann und die Frau sind in Budapest im Fach Geschichte eingeschrieben – eine Wahl, die sich im Zusammenhang mit der Tat möglicherweise strafverschärfend auswirken könnte.

Der Vorfall ist bereits der zweite innerhalb weniger Monate: Im Oktober wurden zwei türkische Studenten auf dem Gelände das KZ-Museums Majdanek festgenommen, als sie einer etwa gleichaltrigen Gruppe von Besuchern aus Israel den Hitlergruß zeigten. Sie gaben den Vorfall zu und rechtfertigten sich damit, dass die Gesten und die sie begleitenden Heil-Hitler-Rufe ein Witz gewesen seien. Ihnen drohen nicht nur bis zu zwei, sondern bis zu drei Jahre Haft.

Außerhalb von polnischen KZ-Gedenkstätten war der Hitlergruß unter türkischen Rechtsextremisten bislang nicht sehr verbreitet. Deren beliebteste Zeichen sind ein mit der Hand geformter Schattenspiel- Wolfskopf und das alte osmanische Kriegsbanner mit drei Halbmonden – die Symbole der Bozkurtçular. Diese Organisation entstand 1968 als paramilitärischer Jugendverband der Partei von Alparslan Türkes. Die Bewegung strebt eine Vereinigung aller Turkvölker vom Balkan bis nach Xinjiang an. Vor allem in den 1970er Jahren machte sie mit Terroranschlägen und der Ermordung politischer Gegner auf sich aufmerksam.

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