Tunesiens Terrorbanden säen Gewalt

Arbeitslosigkeit unter Hochschulabsolventen lag 2009 bei 44,9 Prozent

Mit Messern und Beilen bewaffnete Banden bedrohen Geschäftsleute in Kasserine, berichtet das französische Internetmagazin rue89.com. Kasserine war eines der Zentren der tunesischen Protestwelle. Dort gingen die Sicherheitskräfte mit großer Gewalt gegen Demonstranten vor. Laut rue89.com sind die Terrorbanden in Kasserine kein Einzelfall; in ganz Tunesien spüre man nach wie vor ein großes Gefühl der Unsicherheit, wird Fouad Boukari von Radio France zitiert. Neulich hieß es, dass sogar Schulkinder von solchen mit Messern bewaffneten Schergen bedroht würden. Für Rabhi Samir, Professor in Kasserine und Menschenrechtler, den rue89.com ebenfalls zitiert, ist klar:

"Diese Jungen sind Handlanger, die von örtlichen Parteibonzen der RCD bezahlt werden. Sie sollen Chaos und Furcht verbreiten und die RCD als die Partei kommunizieren, die es schafft, die Ordnung aufrechtzuerhalten."

Der Innenminister, der am vergangenen Montag selbst einem Angriff ausgesetzt war, gab an, dass es 2.000 bis 3.000 Ben-Ali-Treue waren. Sich von diesem treuergebenen Mob zu befreien, wird nicht leicht sein. Der Innenminister entließ als Reaktion auf den Angriff, der mutmaßlich auch dem Ziel gegolten hat, Akten zu vernichten, 42 führende Mitarbeiter des Sicherheitsapparates, doch bleiben vielen Fragen.

Meldungen über Auseinandersetzungen zwischen Polizei und demonstrierenden Jugendlichen in Kef, im Nordwesten Tunesiens, und in Sidi Bouzid zeigen, dass die Konflikte zwischen Staatsrepräsentanten - und damit oft genug auch Vertreter der RCD - und der Bevölkerung nicht ausgestanden sind.

Wie sehr man von zu Zeiten Ben Alis belogen wurde, zeigt sich nun an der neuen Freiheit der Presse, die heute beispielsweise meldet, dass die Arbeitslosigkeit unter Hochschulabsolventen 2009 bei 44,9 Prozent lag. Die Zahl, die in einem amtlichen Bericht zu lesen war, wurde samt Bericht in Schubladen verwahrt.

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