Turbulente Zeiten für Staatsanleihen

Abu Dhabi springt Dubai mit 10 Milliarden Dollar bei, um eine Staatspleite zu vermeiden.

Es war klar, dass das ölreiche Abu Dhabi dem Nachbar Dubai (noch) nicht in der Wüste stehen lassen würde. Die Auswirkungen wären für die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) wohl zu heftig geworden. Die Ankündigung der Regierung Dubais, nicht für die Schulden von Dubai World einstehen zu wollen, hatte schon für heftige Reaktionen an den Börsen der Region gesorgt. So war eigentlich bisher nur unklar, in welcher Höhe und unter welchen Bedingungen der reiche Nachbar dem Pleitekandidaten beispringen würde.

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Nun spendiert Abu Dhabi dem klammen Dubai eine Finanzhilfe in der Höhe von 10 Milliarden US-Dollar. So konnte zunächst die am Montag fällig gewordene islamische Anleihe (Sukuk) in einer Höhe von 4,1 Milliarden Dollar von Nakheel bedient werden. Das ist die Immobilien-Tochter von Dubai World, die wesentlich zu den massiven Problemen der Staatholding beigetragen hat.

Die Milliardenspritze sorgte wieder für gute Laune an den Börsen, der Dax legte am Montag und am Dienstag wieder zu. Vergessen scheint schon wieder, dass mit Griechenland eine Pleite mitten in Euroland droht und auch die PIGS-Staaten und der Absturz Irlands den Euroraum schwer belasten.

Doch was sagt die milliardenschwere Finanzspritze Abu Dhabis aus? Sie sagt, dass Dubai als Staat so klamm ist, dass er alleine nicht einmal mehr 4,1 Milliarden Dollar aufbringen kann. Doch wie will Dubai die insgesamt 50 Milliarden bedienen, die in den nächsten drei Jahren fällig werden? Unklar ist vor allem auch, an welche Bedingungen die Finanzhilfe geknüpft ist und wie lange Abu Dhabi dem Nachbar beispringen kann.

Jedenfalls ist die Ratingagentur Moody's insgesamt eher skeptisch und sagt turbulente Zeiten voraus. Das Risiko von Zahlungsausfällen steige, genannt werden die USA und Großbritannien, die überzeugende Pläne vorlegen müssten, um die enormen Defizite reduzieren zu können. Sonst könnten sie ihre Bonitäts-Bestnoten einbüßen, wie schon zuvor gedroht wurde.

Der für die Länder-Einstufung verantwortliche Pierre Cailleteau sagte am Montagabend: "2010 wird wahrscheinlich ein turbulentes Jahr für die Risiken bei Staatsanleihen". Die langfristigen Zinsen würden weltweit weiter steigen und damit kämen die realen Kosten der Finanz- und Wirtschaftskrise zum Vorschein. Offen wird in diesem Zusammenhang die Frage von Staatspleiten diskutiert. Doch statt den kleinen Ökonomien wie Irland, Griechenland, Spanien hält man sich bei Moody's nicht einmal mit Großbritannien auf: "Die Frage wird häufig mit Bezug auf Japan gestellt. Doch das könnte nur ein Vorbote sein", heißt es schon fast apokalyptisch.

Auch Deutschland und Frankreich werden als Problemkinder genannt. In Anspielung auf die ausufernden Schulden, die auch durch die umstrittenen Steuererleichterungen für Hoteliers in Deutschland ansteigen, meint Moody's kritisch: "Die Idee kann mit den Worten zusammengefasst werden 'mehr Schulden heute für hoffentlich weniger Schulden in der Zukunft'."

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