Twitter für Egoisten

Neben der Spur

Eine Studie weiß genau, wann wir Egoisten sind, nämlich wenn wir mit dem Handy tweeten. Dabei ist Twitter zutiefst egoistisch, oder?

Gut, diese Studie sagt auch noch aus, dass Tweets vom Handy bis zu 25% mehr negative Ausdrücke haben als solche von einem Computer. Vermutlich, weil man beim Tippen immer wieder gegen einen Laternenpfahl rennt und das auch gleich twittert. Aber das soll uns jetzt nicht stören.

Die Studie will auch zeigen, dass die Nutzung von Social Media über Handys deutlich egoistischer profiliert. Wie man auf so etwas kommt? Nun, indem man eine Analyse von 235 Millionen Tweets durchführt und nach Signalwörtern wie "me, mine, myself" etc sucht. Dann stellt man fest, dass die in Absonderungen über das Smartphone leichter auf Twitter zu finden sind als bei Ähnlichem via Computer.

Es könnte sein, dass die virtuelle Bubble, die man sich auf der Straße überstülpt, Auswirkungen auf die psycholinguistischen Satzstrukturen hat, weil man sich eben abschließt und deshalb mehr über das Innere als das Äußere einer Bubble schreibt. Aber wollen wir nicht kleinlich sein. Gut, Egoisten sind die vollen Social-Media-Freaks, wenn sie U-Bahn fahren oder im Park vor Langeweile jeden Vogel beim Vornamen twittern.

Aber ist Twitter nicht eh ein Egomedium?

Da müsste man vielleicht einmal diesen selbstlos auf sich bezogenen jungen Mann fragen, der eben mal in einer Woche von Null auf eine Million Follower gekommen ist. Ganz altruistisch sieht er das wahrscheinlich nicht. Am Medienhaus selbst kann es nicht liegen. Das neue Büro von Twitter in New York kann nun wirklich nicht als Egoistenschuppen überzeugen. Das sieht mehr wie das Innere einer der U-Bahnen aus Brooklyn aus, in denen auch noch gearbeitet werden kann. Wer so ein Egomedium betreibt und es zum täglichen Laufen bringt, den kann man nicht als Egozentriker bezeichnen. Eher als Spam (Pressfleisch) vor PCs (die ja weniger egoistisch und negativ twittern lassen, das wissen wir ja jetzt).

Nach der Arbeit, wieder unterwegs und das eigene iPhone fest umklammert, darauf die Daumen herum wirbeln lassend, werden wir laut Studie dann wieder egoistischer. Das Tageswerk ist getan, der Spaß am Abend kann beginnen, wir sind für ein paar Stunden die Könige der Steakrestaurants und Bars. Das Zentrum im Zentrum des Universums. Und drehen uns im Medium noch mehr um uns selbst. Dazu ist Twitter da. Kein Wunder, dass es auch so genutzt wird. Nicht nur unterwegs und vom Handy aus.

Aber die Studie redet ja auch von "egoistischer", nicht von "100% oder 0% egoistisch".

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