UBS erwartet Mord und Totschlag, sollte die Eurozone scheitern

Ein Auseinanderbrechen der Eurozone sei zwar unwahrscheinlich, in der öffentlichen Diskussion der Austrittsoption würden die Risiken jedoch beträchtlich unterschätzt

Die an der Subprimekrise fast gescheiterte Schweizer Großbank malt in der aktuellen Analyse des UBS Investment Research Global Economic Perspectives - Euro break-up - the consequences den Teufel an die Wand: Sollte ein schwaches Land die Eurozone verlassen, wären die Folgen in jedem Fall traumatisch. Denn für jedes Wirtschaftssubjekt sei es vernünftig, schon auf Verdacht alle Euroguthaben von den Banken abzuziehen und das Geld ins Ausland zu schaffen oder allenfalls im Garten zu vergraben.

Das werde auch geschehen, weshalb zuerst das Bankensystem, dann die Unternehmen, die ihre Auslandsverpflichtungen nicht mehr bedienen können, und zuletzt der betroffene Staat kollabieren werden, wobei eine neue Währung ebenfalls um rund 50 Prozent abwerten werde. Dies wird in anderen Krisenländern beobachtet werden und vermutlich auch dort zu schweren Bank-runs führen, weshalb durch diese "Ansteckung" das europäische Bankensystem schon zusammenbrechen könnte, bevor noch ein Eurozonenaustritt tatsächlich erfolgt ist. Allein im ersten Jahr gingen bei einem Austritt 40 bis 50 % des BIP des Krisenlandes verloren und auf jeden Einwohner würden Kosten von 9.500 bis 11.500 Euro entfallen.

Würde hingegen ein starkes Land wie Deutschland austreten, bestünde zwar nicht die Gefahr von Bank-runs oder einem Staatsbankrott, es müsse aber mit einer mindestens 40prozentigen Aufwertung der neuen Währung gerechnet werden. Dadurch bekämen alle Banken und Unternehmen Probleme, deren Bilanzen nun entwertete Euro-Anlagen und Verpflichtungen in der starken neuen Währung enthalten. Aufgrund der darauffolgenden Turbulenzen müsste laut UBS also vermutlich das Bankensystem rekapitalisiert werden, aber auch die Exportwirtschaft könnte rasch völlig ruiniert sein.

Laut UBS würden sich die Kosten pro Bundesbürger im ersten Jahr auf 6.000 bis 8.000 Euro und in den Folgejahr auf 3.500 bis 4.500 Euro belaufen. Die Kosten einer Rettung von Griechenland, Portugal und Irland zusammen wären demgegenüber einmalig rund 1000 Euro, wobei die UBS-Analysten das wohl auf die gesamte EU beziehen, denn mit kaum 70 Mrd. Euro würden sich diese drei Länder wohl auch bei gutmütigster Berechnung kaum retten lassen.

Noch düsterer sieht die UBS allerdings die "Politischen Kosten": Die ökonomischen Kosten seien noch die geringste Sorge, die man sich machen müsse. Historisch betrachtet sei noch keine moderne Währungsunion ohne irgendeine Form von autoritärem oder militärischem Regime oder einem Bürgerkrieg zerbrochen. Denkbar wäre etwa, dass sich in Ländern mit starken Spannungen zwischen den Regionen wie Belgien, Italien und Spanien einzelne Regionen für ein Verbleiben in der Eurozone als eigenständiger Nation entscheiden, so dass auf diese Weise das Land auseinander bricht. Für die UBS ist zudem kaum ein Szenario denkbar, in dem ein Auseinanderbrechen der Eurozone nicht von schwersten sozialen Problemen begleitet werde. In jedem Fall aber würde Europas internationaler Einfluss verloren gehen.

Sicher sind sich die Analysten auch, dass die Währungsunion in der aktuellen Struktur nicht funktioniere und entweder die Regeln oder die Zusammensetzung geändert werden müsste. In ihrem "Basisszenario mit überwältigender Wahrscheinlichkeit" bewegt sich die Eurozone dann auch "langsam und schmerzhaft in Richtung einer Art von fiskalischer Integration". Die Wahrscheinlichkeit eines Auseinanderbrechens gehe hingegen zwar "gegen Null, in der öffentlichen Diskussion der Austrittsoption werden die Risiken jedoch beträchtlich unterschätzt".

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