UN-Bericht: Flugzeug von Dag Hammarskjöld wurde wohl abgeschossen

Woher kannten die Rebellen den geheimen Flug?

Die Vereinten Nationen stellen demnächst ihren Abschlussbericht zur neuen Untersuchung über die Todesumstände ihres Generalsekretärs vor, dessen Flugzeug 1961 im damaligen Kongo beim Landeanflug abstürzte (Neue Spur zum mysteriösen Flugzeugabsturz von Dag Hammarskjöld). Anhand neuer Beweismittel gelangte man offenbar zu dem Schluss, dass der Unfall keiner war.

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Die Berichterstatter halten es für plausibel, dass die Maschine vor der Landung von einem anderen Flugzeug aus angegriffen worden sei. So hatten es schon damals Zeugen ausgesagt, deren Bericht ursprünglich nach ihrer zu dunklen Hautfarbe bewertet worden war. Nunmehr ist nun von Rebellen aus Katanga die Rede, welche einen von Belgien unabhängigen Kongo ablehnten.

Unter dem belgischen König Leopold II. war die kongolesische Bevölkerung versklavt und bis 1908 zwischen acht und zehn Millionen Menschen massakriert worden (Kongogräuel). Während der Kongo-Wirren Anfang der 1960er Jahre hatte Ministerpräsident Patrice Lumumba Hammarskjöld um Vermittlung gebeten und sich nach vom Westen versagter Unterstützung auch an die Sowjetunion gewandt. Heute unstreitig hatte die CIA Lumumba daraufhin ermorden lassen.

Bislang hatte man angenommen, die Rebellen aus Katanga hätten nur über ein Flugzeug des französischen Typs CM.170 Magister verfügt, tatsächlich jedoch sollen die Rebellen zwei weitere solcher Fougas besessen haben, die entgegen angeblicher Bedenken der USA geliefert worden seien. Neueren Dokumenten zufolge sollen den Rebellen zudem weitere Flugzeuge zu Verfügung gestanden haben, darunter auch eine Maschine aus Westdeutschland.

Als wahrscheinlicher Mörder gilt vielen ein belgischer Södner, der sich mit der Tat gebrüstet hatte. Spannend ist allerdings die Frage, woher der belgische Pilot wusste, in welcher Maschine Hammarskjöld saß. So hatte man damals zum Schein ein anderes Flugzeug vorausgeschickt, welches vermeintlich den prominenten Passagier beförderte, während Hammarskjölds Maschine unter Wahrung absoluter Funkstille zunächst eine andere Route anflog und dann ihren Kurs entsprechend änderte.

Inwiefern bloße Rebellen logistisch in der Lage waren, nachts den geheim gehaltenen Flug zu überwachen, ist daher eine spannende Frage. Zeugen erinnern sich daran, dass die NSA in der Gegend "etwas interessantes" erwartete. Der britische Diplomat Sir Brian Unwin registrierte, dass in dieser Nacht auf dem Flughafen zwei US-Flugzeuge ihre Motoren laufen ließen und vermutete, dies sei zur Stromversorung von Funkgeräten geschehen, um den Funkverkehr abzuhören.

Der UN lag auch nunmehr das Original eines Dokuments vor, auf welches 1998 in Kopie die von Bischof Tutu eingerichteten Wahrheitskommission zur Aufarbeitung des südafrikanischen Apartheidsregimes stieß. Dort war von einer "Operation Celeste" die Rede, in der CIA-Chef Allen Dulles angeordnet haben soll, den "störenden Dag" zu entfernen.

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