UN: Bis Ende des Jahres könnte jeder zweite Syrer auf der Flucht sein

Die Organisation rechnet damit, dass 5 Milliarden Dollar an humanitärer Hilfe aufgebracht werden müssen

Dass der Sicherheitsrat der UN die Kämpfe auf den Golanhöhen zwischen Assad-Gegnern und syrischen Regierungstruppen verurteilt, ficht die Kämpfer wenig an, an der "Waffenstillstandslinie" wird weiter geschossen, die Pufferzone wird zum Kriegsgebiet ( Der syrische Krieg rückt Israel immer näher).

Was wird der aktuelle Aufruf der UN zur Syrienhilfe bewirken? Seine Höhe sorgt schon mal für Aufsehen: 5 Milliarden Dollar will man sammeln, das gab es in der Geschichte der Vereinten Nationen "noch nie zuvor", heißt es. Laut UN-Schätzungen rechnet man damit, dass bis Ende des Jahres die Hälfte der Bevölkerung, insgesamt etwa 10 Millionen Syrer, Hilfe benötigt.

Vor allem die schnell wachsende Zahl der Flüchtlinge wird herausgestellt. Die Zahl der Binnenflüchtlingen wird derzeit auf 4,25 Millionen geschätzt, die, welche in Nachbarländern Zuflucht suchen, in Jordanien, im Libanon oder in der Türkei, auf etwa 1,6 Millionen. Den etwa 5,8 Millionen Hilfsbedürftigen im April dieses Jahres steht eine Million gegenüber, die man im April vergangenen Jahres errechnet hat. Man schätzt, dass die Zahl der Binnenflüchtlinge bis Ende des Jahres auf 6,8 Millionen anwächst und die Zahl der Syrer, die ins Ausland fliehen, auf 3,45. Mehr als die Hälfte der Flüchtlinge, die das Land verlassen, sind Kinder, heißt es in dem UN-Papier.

Geld werde nicht nur für Unterkunft, Nahrung und medizinische Versorgung gebraucht, sondern auch für Schulen in den Flüchtlingslagern, die etwa in jordanischen Flüchtlingscamps dringend benötigt würden. Alleine in Jordanien rechnet man damit, dass bis Ende des Jahres 450.000 Personen aus Syrien finanzielle Hilfe benötigen. Die meisten Flüchtlingen würden in ohnehin armen Gegenden leben, was sie in Konkurrenz mit einer Landbevölkerung bringe, die ihrerseits auf der Suche nach Arbeit und billigen Wohnräumen sei. Das UN-Papier zitiert dazu die Umfrage einer jordanischen Zeitung, wonach drei von vieren der Meinung sind, die jordanische Regierung müsse die Grenzen dichtmachen.

Wenn weiterhin syrische Flüchtling in der selben Frequenz wie in den letzten Monaten ins Land strömen, dann würde die Bevölkerung des Libanon um 25 Prozent wachsen, heißt es aus dem anderen Nachbarland. Das besondere Problem dort ist, dass die Flüchtlinge aus Syrien an über 1.000 Orten verstreut leben und dadurch die Hilfe erschweren.

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