US-Hypothekarschuldner mit den besten Bonitäten verlassen ihre Häuser

Die Probleme der US-Hypothekenbanken sind noch gravierender als ohnehin erwartet.

Nicht nur die berüchtigten Subprime-Kredite, die an Schuldner mit schlechter Kreditwürdigkeit vergeben wurden, zeigen sehr hohe Ausfallsraten, sondern auch die besten Bonitäten, die nun „strategisch“ in die Pleite gehen.

So zeigt eine aktuelle Studie der Kreditagentur Experian und der Unternehmensberatung Oliver Wyman, die auf der Analyse von immerhin 24 Millionen Kreditakten beruht, dass Kreditnehmer, die zur Zeit des Abschlusses über die besten Kreditratings verfügten, eine um 50 Prozent höhere Ausfallswahrscheinlichkeit zeigen, als bisher angenommen.

Typischerweise erfolge ein „strategical default“, bei dem ein Schuldner seine Zahlungsverpflichtungen theoretisch hätte erfüllen können, dann auch plötzlich und ohne die üblichen Warnsignale wie verspätete Zahlungen oder einem Verzug bei z.B. Kreditkartenschulden. Die Schuldner verlassen einfach ohne Vorwarnung ihr Haus, schicken die Schlüssel an die Bank und verschwinden auf Nimmerwiedersehen.

Allzu überraschend ist dieses Verhalten allerdings auch wieder nicht. Denn üblicherweise werden Hypotheken in den USA als so genannte „non recours loans“ vergeben, bei denen sich die Kreditverpflichtung mit der Übereignung der Sicherheit, also der Immobilie, erledigt. Die einzige negative Konsequenz ist dann üblicherweise eine Verschlechterung des Kreditratings des geflohenen Schuldners, der dann allenfalls Schwierigkeiten hat, neue Kredite zu bekommen, oder zumindest höhere Zinsen zahlen muss. Wen das nicht weiter stört, für den ist es also ökonomisch rational, sich von seinen Kreditverpflichtungen zu verabschieden, so bald die Hypothek den Marktpreis des Hauses übersteigt, was inzwischen für eine Mehrheit der am Höhepunkt des Immobilienbooms vergebenen Hypotheken gelten dürfte.

Laut der Studie kam es 2008 in den USA zu 588.000 „strategischen“ Zahlungseinstellungen, was immerhin 18 Prozent der Gesamtsumme ausmacht und die Vorjahreszahl um mehr als die Hälfte, und alle Prognosen der Bankanalysten zumindest deutlich übersteigt. Sie konzentrieren sich in den Gebieten mit den stärksten Immobilienbooms und darauffolgenden Preiseinbrüchen, wobei Kreditnehmer mit anfangs allerbesten Bonitäten und den höchsten aushaftenden Salden nun die höchsten Ausfallsraten zeigen.

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