US-Notenbank geht den Weg der Zinsnormalisierung

Die FED erhöht den Leitzins, was US-Präsident Trump gar nicht gefällt

Es war eigentlich klar, dass die US-Notenbank (FED) nach all den Ausreden im vergangenen Jahr nun den Leitzins erhöhen muss. Das hat sie am späten Mittwoch – erstmals in der Amtszeit von Donald Trump - auch getan. Damit beschleunigt sie ihren Schritt auf dem Weg zu einer Zins-Normalisierung, denn schon im vergangenen Dezember gab es einen kleinen Zinsschritt nach oben. Mit der neuen Erhöhung liegt der Leitzins jetzt in einer Spanne von 0,75 und 1,0 Prozent.

Die FED setzt damit das um, was sie eigentlich schon Ende 2015 angekündigt hatte. Damals hatte die Notenbank-Chefin Janet Yellen eine "Normalisierung" versprochen und erstmals nach fast zehn Jahren die Zinsspanne, die lange zwischen 0 und 0,25% lag, um 0,25 Prozentpunkte angehoben und die Nullzinspolitik beendet. Schon zuvor hatte man das Programm zum Ankauf von Staatsanleihen und damit die Notenpressen gestoppt. In der Eurozone wird dagegen die Geldschwemme mit Nullzinsen, Negativzinsen und Ankauf von Staatsanleihen munter beibehalten.

Eigentlich hatte Yellen schon für 2016 eine "graduelle" Anhebung der Leitzinsen auf bis zu 1,5% versprochen. Doch davon ist die FED auch im März 2017 noch weit entfernt. Bis Ende 2017, so die Ankündigung im Dezember 2015, sollte der Leitzins sogar bis auf 2,5% steigen. Einige Beobachter wollen in dieser FED-Politik sogar einen Machtkampf zwischen der FED und dem neuen US-Präsidenten ausmachen: "Trump und die Fed sind auf Kollisionskurs", titelt zum Beispiel die Süddeutsche Zeitung.

Doch wie oben beschrieben, hatte die FED ihren Kurs schon festgelegt, bevor Trump in den Wahlkampf ging. Vielmehr versucht die US-Notenbank angesichts der robusten Lage am US-Arbeitsmarkt und steigender Inflation das Nötige zu tun. Die Inflationsrate stieg im Februar im Vergleich weiter auf 2,7%. Schon im Januar lag die offizielle Rate mit 2,5% deutlich über der Marke von 2%. Tatsächlich muss die Notenbank die Zinsen nun erhöhen, um Geld vom Markt zu saugen, das viele Jahre ausgeschwemmt worden war. Es ist zu erwarten, dass sie weitere Erhöhungen vornehmen wird und muss, um die angestrebte Inflationsrate einhalten zu können.

Den richtigen Zeitpunkt für die Normalisierung hat die Notenbank allerdings verpasst. Denn tatsächlich hechelt die FED nicht nur bei der Inflationsentwicklung den Entwicklungen her, sondern auch bei den gefährlichen Blasenbildungen. Davor hat sie sogar schon im Sommer 2014 gewarnt. Doch die blähen sich weiter gefährlich auf – vor allem an den Börsen –, wie seit langem zu beobachten ist. Man kann schon von einer Dotcom-Blase 2.0 sprechen.

Um diesen Entwicklungen zu begegnen, ist die FED auch bereit, negative Auswirkungen ihrer Zinserhöhungen auf die Konjunktur hinzunehmen, weil sie von einer robusten wirtschaftlichen Entwicklung ausgeht. Nun werden also die Kredite für Unternehmen und Verbraucher erneut teurer. Die amerikanische Wirtschaft lebt besonders davon, dass sich die Verbraucher verschulden. So wird ein großer Teil der Neu- und Gebrauchtwagen über neue Schulden finanziert. Die Schulden werden nun teurer, weshalb schon deshalb weniger Geld für den Konsum zur Verfügung steht. Die Neigung, sein Geld möglichst schnell auszugeben, wird zudem geringer, weil sich Sparen wieder lohnt.

Also geht auch die Notenbank in ihren Prognosen, die nach der zweitägigen Sitzung des Offenmarktausschusses veröffentlicht wurden, davon aus, dass die US-Wirtschaft in diesem Jahr nur noch 2,0 -2,2% wachsen wird. 2018 soll das Wachstum dann zwischen 1,8-2,3% liegen. Die Wirtschaft werde "mit einer moderaten Geschwindigkeit wachsen und die Inflation werde sich mittelfristig bei zwei Prozent stabilisieren", hofft man in der FED.

Doch nun kann, weil lange zu wenig passiert ist, nicht mehr ausgeschlossen werden, dass die gefährlichen Blasen platzen und sich "Anpassungsschocks" zeigen, welche Yellen eigentlich vermeiden wollte. Auch die politische Lage ist mit der Wahl Trumps instabiler geworden. Seine wirtschaftspolitischen Vorstellungen sind ohnehin eher Rezepte für ein Desaster. Tatsächlich haben einige Berater ihm auch schon geflüstert, dass zum Beispiel der Crash-Kurs mit China zu Beginn seiner Amtszeit für die USA sehr schädlich werden kann. In der China-Frage ist er deshalb bereits eingeknickt.

Man darf gespannt sein, wie sich seine populistische und rassistische Polemik gegenüber Mexiko entwickelt. Der Peso hat in den letzten Monaten massiv gegenüber dem Dollar an Wert verloren, womit sich die Waren aus Mexiko in den USA weiter verbilligen. Die Überlegungen, eine Einfuhrsteuer in Höhe von 20% auf Waren aus dem Nachbarland einzuführen, dürfte vermutlich nicht einmal diese Verbilligungen auffangen, die Trump mit seinen Ankündigungen provoziert hat. Und steigende Zinsen werden nicht nur Kredite verteuern, sondern aller Voraussicht auch dazu führen, dass der Dollar noch stärker wird. Das verbilligt Importwaren weiter, während Güter aus den USA auf dem Weltmarkt teurer werden. Schon deshalb ist Trump gegen Zinserhöhungen.

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