US-Regierung vertagt die Endlagerfrage

Yucca Mountain ist als Endlager abgeschrieben, erst mal soll jetzt eine Kommission Alternativen diskutieren.

US-Präsident Obama steckt mehr Geld in Atomwaffen und will neben Erneuerbaren Energien auch die Atomkraft ausbauen, d.h. neue Reaktoren bauen. Und wie viele andere Regierungen drückt sich auch Obama um die Frage eines Endlagers herum, dass auch in den USA dringend benötigt würde. Immerhin gibt es hier noch 104 Atomkraftwerke und jede Menge Atommüll, der letzte Stand von 2002: 200.000 Tonnen Atommüll, davon 47.000 Tonnen Uran. Jetzt wurde mal wieder eine neue, bereits umstrittene Kommission eingerichtet, die nach einem neuen Konzept suchen soll, der Ausbau eines Endlagers in Yucca Mountain wird nicht mehr verfolgt, für das nächste Haushaltsjahr hat die Obama-Regierung dafür keinen Posten mehr vorgesehen.

Die Bush-Regierung hatte 2002 beschlossen, ein Endlager in Yucca Mountain in Nevada einzurichten. Die umliegenden Vulkane würden in den nächsten zehntausend Jahren schon nicht explodieren, und obwohl die Gegend erdbebengefährdet ist, würde von diesen für die Stollen keine Gefahr ausgehen. Trotz Widerstand und Kritik wurde das Projekt vorangetrieben, 2006 gab es eine erneute Unbedenklichkeitsprüfung des zuständigen Energieministeriums (DOE), aber mit der auslaufenden Bush-Präsidentschaft wurde das Projekt nicht mehr wirklich verfolgt.

Der von Obama berufene Energieminister Steven Chu hatte schon kurz nach Amtsantritt klar gemacht, dass für die US-Regierung Yucca Mountain nicht mehr als Endlager in Frage kommt, obgleich Milliarden Dollar in das Projekt hineingeflossen waren. Beruhigend versicherte er letztes Jahr, dass die Lösung der Endlagerfrage nicht eile, da man noch Jahrzehnte dafür Zeit habe. So lange würden nämlich die Stahlbehälter mit den Atomabfällen ( dry cask storage), die bei den Atomkraftwerken, an zahlreichen Lagerstellen und einigen Zwischenlagern aufgestellt sind, sicher sein. Steven Chu schlägt als mögliche Endlagerstätten Salzstöcke vor. Da würde das Salz die Abfälle einhüllen, was für 50-100 Millionen Jahre sicher sei (das deutsche Versuchsendlager Asse hatte der Energieminister bei dieser Aussage wohl nicht vor Augen).

Der republikanische Senator und gescheiterte Präsidentschaftskandidat John McCain wirft Obama vor, mit der Entscheidung, eine Kommission einzuberufen, um erneut das Problem der Lagerung behandeln, die "nukleare Option" nicht wirklich ernst zu nehmen: "Wir brauchen keine Kommission, sondern die Wiederaufbereitung und Yucca Mountain."

Der demokratische Senator von Nevada, Harry Reid, freut sich über die endgültige Verabschiedung von Yucca Mountain als Endlager. Dafür habe er viele Jahre gekämpft. Jetzt würde er gerne den Ort für alle möglichen anderen Aktivitäten genutzt sehen: "National security activities, including armed services readiness, intelligence gathering, and defense technology testing and demonstration; Renewable energy technology development, testing, and demonstration; Arms control, verification, weapons detection, and other nonproliferation-related activities…".

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