USA: Die Vermögenskluft zwischen Weißen, Schwarzen und Latinos erreicht Rekordniveau

Vom Platzen der Immobilienblase und von der Finanz- und Wirtschaftskrise waren vor allem die Schwarzen und die Latinos betroffen

Dass der Abstand zwischen den Reichen und den Armen in den USA - wie anderswo - in den letzten Jahren größer geworden ist, wurde nun durch eine neue Studie bestätigt. Das Vermögen der Haushalte, die zu den 10 Prozent der reichsten gehören, ist von 49 Prozent im Jahr 2005 auf 56 Prozent im Jahr 2009 gewachsen. Das wäre eigentlich schon ein guter Grund für eine Erhöhung der Reichensteuer zur Bewältigung der Schuldenkrise, was die von der Tea Party Bewegung getriebenen Republikaner aber strikt ablehnen.

In den USA wächst nicht nur die Kluft zwischen den Reichen und den Armen, sondern auch die zwischen den großen Bevölkerungsgruppen. Nach einer Analyse des Pew Research Center der neuesten Zahlen des Survey of Income and Program Participation (SIPP) aus dem Jahr 2009 von der Statistikbehörde Census hat die Kluft einen Rekordstand seit Beginn der Erhebung der Daten vor 25 Jahren erreicht. Das Vermögen der Haushalte der Weißen ist deutlich gegenüber dem der Schwarzen und Latinos angestiegen und liegt nun auch über dem der Asiaten, das 2005 noch höher war als das der Weißen.

Grafik: Pew Research Center

Der Median des Vermögens (Häuser, Autos, Geld, Aktien, Rentenanteile etc.), die Schulden abgerechnet, liegt bei den Haushalten der Weißen 20 Mal höher als der bei den Schwarzen und 18 Mal höher als der bei den Latinos. Der Median des Vermögens bei den Weißen betrug 2009 113.149 US-Dollar, bei den Latinos hingegen nur 6.325 und bei den Schwarzen 5.677. 1984 lag das Verhältnis bei 12:1, bis 1995 hat sich die Ungleichheit verringert und war der Median des Vermögens der weißen Haushalte nur noch 7 Mal so hoch wie der der beiden anderen Bevölkerungsgruppen. Das Vermögen der Asiaten hat sich zwischen 2005 und 2009 mehr als halbiert und ist von 168.103 auf 78.066 eingebrochen. Zum Teil liegt dies an der zunehmenden Einwanderung von Menschen aus Asien.

Grafik: Pew Research Center

Nach der Analyse des Pew Research Center hat die von der Immobilienblase verursachte Finanzkrise die Kluft deutlich vergrößert. Bei den Latinos nahm zwischen 2005 und 2009 das inflationsangepasste Vermögen um 66 Prozent ab, bei den Schwarzen um 53 Prozent, bei den Weißen nur um 16 Prozent. Ein Drittel der Schwarzen- und Latino-Haushalte hat kein oder ein negatives Vermögen, bei den Weisen sind es 15 Prozent. Ein Viertel der Latino- und Schwarzenhaushalte hat als Vermögen nur ein Fahrzeug, bei den weißen sind es nur 6 Prozent.

Ein Grund, warum es am stärksten die Latinos gekommen sind, liegt nach Pew an der geplatzten Immobilienblase, die sich dort besonders drastisch auswirkte, wo viele Latinos wohnen: Kalifornien, Florida, Nevada und Arizona. Und das Vermögen der Weißen, die sowieso wohlhabender sind, ist deswegen weniger geschrumpft, weil diese mehr Aktien, Rentenansprüche oder Sparkonten besitzen. Der Anteil am Gesamtvermögen liegt bei den Weißen bei 28 Prozent, bei den Schwarzen bei 19 und bei den Latinos bei 15 Prozent, letztere haben also einen höheren Anteil ihres Vermögens in Immobilien oder andere Sachwerte investiert.

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