USA: Unliebsame Recherchen unterbunden

Deutsche Journalistin abgeschoben. Gaby Weber wollte unter anderem Akten über Nazi-Kriegsverbrecher recherchieren

Jähres Ende einer Recherchereise: Die deutsch-argentinische Journalistin Gaby Weber, die auch für Telepolis geschrieben hat, war am Dienstag von Berlin aus in die US-Hauptstadt Washington geflogen, um im dortigen Bundesarchiv Nachforschungen über den Verbleib von Nazi-Kriegsverbrechern nach dem Zweiten Weltkrieg anzustellen. Auf dem internationalen Washington-Dulles-Flughafen wurde sie nach Ankunft jedoch sieben Stunden lang festgehalten, verhört und schließlich abgeschoben. Weber schließt nun einen politischen Hintergrund der Deportation nicht aus.

Die Fernseh- und Zeitungsjournalistin hat unter anderem Hinweise darauf, dass deutsche Massenmörder wie der Organisator des Holocausts Adolf Eichmann noch lange nach 1945 von westlichen Geheimdiensten gedeckt wurden. In dieser Sache arbeitet sie seit geraumer Zeit mit Angestellten des US-amerikanischen Bundesarchivs zusammen, in dem sie entsprechende Belege vermutet. Die deutsche Regierung unter Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat einschlägige Aktenbestände in hiesigen Archiven nach Webers Recherchen sperren ( Nazivergangenheit unter Verschluss) lassen. Nun verhinderten Beamte der US-Zoll- und Grenzschutzbehörde CBP auch die Nachforschung in den USA.

"Am Flughafen erwarteten mich die Grenzbeamten schon", sagte Weber am heutigen Donnerstag im Gespräch mit Telepolis. Nach dem vierseitigen Verhörprotokoll, das Telepolis vorliegt, monierten die Grenzbehörden mangelhafte Einreisedokumente. Weber lässt das nicht gelten. "Ich hatte die so genannte ESTA-Erlaubnis bei mir, die Bundesbürger zur Einreise in die USA berechtigt", sagt sie. Zudem führte sie eine Email-Bestätigung des US-amerikanischen Konsulats bei sich, nach der freie Journalisten kein Arbeitsvisum benötigen. "Hätte man mich auf diese Notwendigkeit hingewiesen, dann hätte ich dieses Visum natürlich beantragt", sagt sie nach ihrer erzwungenen Rückkehr nach Deutschland.

Die Beamten der US-amerikanischen Zoll- und Grenzschutzbehörde CBP hätten kaum ihre Koffer untersucht. "Statt dessen haben sie gründlich mein Handgepäck ins Visier genommen", beklagt sie. Die US-Grenzschützer hätten dabei gezielt ihre Rechercheunterlagen und Anträge auf Akteneinsicht in den USA kopiert.

Bei Webers Arbeit geht es auch um die Rolle des israelischen Geheimdienstes Mossad bei der Entführung des Organisators des Holocausts, Adolf Eichmann, aus Argentinien im Mai 1960. Der Mossad behauptet bis heute, hinter der Aktion gestanden zu haben. Weber widerspricht dem. Dem jungen Staat Israel seien solche Maßnahmen überhaupt nicht recht gewesen, sagt sie unter Berufung auf aktuelle Rechercheergebnisse. Schließlich habe die israelische Regierung seit 1951 mit der westdeutschen Adenauer-Führung über finanzielle und technische Hilfe für den Bau einer Atombombe verhandelt. Dokumente, die der offiziellen Version entgegenstehen, finden sich womöglich in den US-Archiven.

Als gesetzwidrig bezeichnet sie auch das Vorgehen der US-Fluglinie United Airlines. Die Mitarbeiter hätten ihre Bordkarte und ihre Ausweisdokumente bei sich behalten und ihr erst auf deutschen Boden wieder ausgehändigt. "Gegen dieses Vorgehen werde ich auf jeden Fall strafrechtlich vorgehen", sagte Weber. Schließlich habe das Kabinenpersonal ihre Dokumente auch noch auf deutschem Boden behalten. Inwiefern ihre historisch-politischen Recherchen behindert werden, vermag Weber derzeit noch nicht abzuschätzen.

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