USA: Widerstand gegen Fracking-Pipeline

Historisches Bündnis von Indianerstämmen (First Nations) wehrt sich gegen den Bau einer Pipeline unter dem Missouri

Im Mittleren Westen der USA, am Missouri in Norddakota, tobt eine Auseinandersetzung um eine wichtige Pipeline für sogenanntes Fracking-Öl. An der Mündung des Canonball Rivers in den Missouri sind auf beiden Seiten des Flusses Protestcamps aufgebaut, die den Bau der Pipeline blockieren sollen, berichet die britische Zeitung Guardian. Die Röhre soll das Bakken-Ölfeld in Norddakota mit Raffinerien in Chicago verbinden.

Das Öl wird durch das Fracking genannte Verfahren durch Aufbrechen von Schiefergestein gewonnen. Das Verfahren ist aufwendig und zumindest ein Teil der Förderfirmen hat Schwierigkeiten, beim gegenwärtig niedrigen Preis für Rohöl zu bestehen. In letzter Zeit häufen sich die Konkurse.

Die Pipeline soll unter dem Missouri hindurch und am Rande der Standing Rock Sioux Reservation vorbei führen. Entsprechend sind die meisten der Protestierenden Sioux, die zum Teil mit ihren Pferden und traditionellen Tipis gekommen sind. Sie befürchten Kontamination ihrer Trinkwasservorkommen im Falle von Pipelinelecks und beklagen, dass sie bei der Festlegung der Route nicht konsultiert wurden.

Nach dem Bericht der britischen Zeitung sind viele besonders motiviert, Widerstand zu leisten, weil sie eine Prophezeiung aus der Endzeit der Indianerkriege und -massaker, die die USA gegen die ursprünglichen Bewohner des Landes geführt haben, in Erfüllung gehen sehen. In den 1890ern, nach dem Massaker bei Wounded Knee habe Black Elk, ein einflussreicher Schamane der Sioux, vorhergesagt, in der siebenten Generation würden sich die Völker vereinigen um die Erde vor der Schwarzen Schlange zu beschützen.

Es mag also in gewisser Weise eine self-fulfilling prophecy am Werke sein, wenn sechs bis sieben Generationen später viele in der Pipeline die Schwarze Schlange sehen und sich Vertreter von über 90 sogenannten First Nations zum Protest versammeln. Die britische Zeitung zitiert Protestierer, die von einem historischen, bisher nie dagewesenem Bündnis sprechen. Uralte Feindschaften seien über das gemeinsame Anliegen begraben worden.

Immerhin sind erste Erfolge zu verzeichnen. Der Antrag auf eine einstweilige Verfügung gegen den Bau wurde vom Gericht angenommen Der zuständige Richter ließ wissen, dass er bis zum 9. September entscheiden werde. Der Stammesrat bewertet dies in einer Presseerklärung als ersten Erfolg, denn damit sei zumindest klar, dass die First Nations gehört werden müssten, wenn es um ihre Belange gehe.

Wie berechtigt die Befürchtungen sind, zeigt eine lange Liste von Pipelinebrüchen in den USA, in der allein in diesem Jahr bereits 14 Vorfälle aufgezählt sind.