USA bittet um 2000 deutsche Soldaten mehr am Hindukusch

Nach Medienberichten soll die US-Führung Deutschland ausdrücklich um zusätzliche Soldaten gebeten haben. Ihr Einsatzgebiet wäre nicht mehr auf den Norden begrenzt

Die "Adam Riese-Rechnung" wurde gestern schon in den tagesthemen aufgemacht: Die Differenz von 10 000 zusätzlich benötigten Soldaten zwischen den von Nato-Kommandeur McChrystal geforderten 40 000 Mann Verstärkung für Afghanistan und den von Obama bewilligten rund 30 000 sollen die Verbündeten ausgleichen.

Heute berichten deutsche Medien, dass die USA "ausdrücklich" um einen deutschen Beitrag zur "Stärkung der internationalen Kampfkraft" im besonders umkämpften Süden und Osten Afghanistans gebeten hätten - was eine Ausweitung der deutschen Einsatzgebiete in Afghanistan und auf jeden Fall einen deutlich veränderten Charakter des Einsatzes zur Folge hätte.

Nach leicht variierenden Informationen von FAZ, Leipziger Volkszeitung und Bild, die sich letztendlich auf Regierungsvertreter berufen, würde die Bitte der amerikanische Führung auf eine "Entsendung von bis zu 2500 zusätzlichen Bundeswehrsoldaten nach Afghanistan" hinauswollen. Erste Stellungnahmen aus der Bundesregierung dementieren das Ansinnen nicht mit, verweisen jedoch auf die Afghanistan-Konferenz, die für 28. Januar in London angesetzt ist. Erst danach werde entschieden, "ob und gegebenenfalls was wir an zusätzlichen Anstrengungen machen", wird Kanzlerin Merkel zitiert.

Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen sieht die Verbündeten der USA in dem Verprechen, 5000 zusätzliche Soldaten bereitzustellen, "und möglicherweise noch ein paar Tausend mehr" - eine kleine Zahlenspielerei, die die Schwierigkeiten in der Nato illustriert. Rasmussen verspricht eine Verstärkung von 5000, um den US-Forderungen gegenüber das Gesicht zu wahren; er weiß aber sehr gut, dass man diese Verstärkung schon vor der Strategie- und Mobilisierungsrede Obamas versprochen hatte und dass eine Mehr an Engagement schwierig wird. Daher der Nachsatz, in dem er vor allem den Willen betont, aber keine exakte Zahl: "Zusätzlich dazu erwarte ich einige tausend extra."

Wieviel Soldaten die europäischen Regierungen zusätzlich mobilisieren können bzw. wollen, ist tatsächlich völlig unklar. Der Großteil der Länder hat es mit einer Stimmung in der Bevölkerung zu tun, die dem Afghanistaneinsatz immer weniger Verständnis entgegenbringt.

Großbritannien hatte bereits vor der Rede Obamas 500 zusätzliche Soldaten zugesagt; Sarkozy äußerte sich in solidarischen Worten gegenüber dem Appell Obamas, machte aber zugleich deutlich, dass man erst die Londoner Konferenz abwarten wolle. Laut französischen Medien hatte US-Außenministerin Clinton um eine Verstärkung von 1.500 Soldaten nachgefragt. Bislang hat das Land 3.750 Soldaten und 150 Gendarmen in Afghanistan stationiert. Geht es nach einem Bericht der Le Monde vom vergangenen Montag, so hat sich der Ton der französischen Regierung gegenüber Forderungen aus den USA deutlich geändert: Aus einem strikten "Nein", ist ein "eventuell" geworden, allerdings denkt man bei Verstärkungen vor allem an den Bereich der Ausbildung von afghanischen Sicherheitskräften.

Italien will zusätzliche Truppen schicken, wurde bisher angezeigt, allerdings ohne Angaben darüber, wie viele es genau sein werden. Das sei noch nicht der Moment für konkrete Zahlen, so Außenminister Franco Frattini.

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