USA erwägen die Schaffung einer offiziellen Vertretung für die afghanischen Taliban

Die USA sollen seit längerer Zeit in Geheimverhandlungen mit Taliban-Vertretern stehen, um den Abzug der Truppen politisch vorzubereiten

Nachdem die USA den Irak-Krieg offiziell für beendet erklärt haben, wird nun von geheimen Vorbereitungen berichtet, die den Abzug der Truppen politisch absichern sollen. Gespräche mit prominenten Talibanvertretern sollen vor einem wichtigen Wendepunkt stehen, ließen ungenannte US-Regierungsvertreter durchsickern.

Ob die "vertrauensbildenden Maßnahmen", die in den Verhandlungen unterbreitet wurden, von den Taliban angenommen werden, ist allerdings bislang ungewiss. Dass die USA und die Nato-Verbündeten ebenso wie im Irak in Afghanistan einen Scherbenhaufen hinterlassen dürfte die realistische Annahme sein. Zu den prominenten Taliban-Vertretern, mit die Amerikaner angeblich geheime Gespräche geführt haben, zählen unter anderem der Sekretär Mullah Omar und ein Familien-Mitglied des Haqqani-Netzwerks. Unklar ist, wie die afghanische Regierung zu den US-Verhandlungen mit den Taliban steht. Laut US-Vertretern, die anonym gegenüber einer Nachrichtenagentur über die Verhandlungen sprachen, sei Karsai über die Gespräche informiert, ob er oder seine Vertreter daran teilnahmen, wurde allerdings offen gelassen.

Konkret soll es in den Hintergrundverhandlungen darum gegangen sein, 20 afghanische Guantanamo-Gefangene freizulassen, eine offizielle Taliban-Vertretung als "Office" einzurichten, um damit eine offizielle Ansprechstation für weitere Verhandlungen - über eine eventuelle Regierungsbeteiligung von Taliban - zu schaffen. Im Gespräch war ein solches "Taliban-Büro" in Katar, was jedoch auf Protest seitens Karsai stieß, der den afghanischen Botschafter aus Katar zurückberief, nachdem er von den Plänen erfuhr. Gestern sollen ranghohe Mitglieder des afghanischen Friedensrates bestätigt haben, dass die Taliban willens seien, eine offizielle Vertretung in einem islamischen Land zu eröffnen.

Im Gegenzug zu den unterbreiteten Vorschlägen erwarten die USA eine klare Distanzierung der Taliban von Gewaltakten und von al-Qaida und ein Bekenntnis zur afghanischen Verfassung, heißt es.

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