Ukraine will Sperrzone um Tschernobyl landwirtschaftlich nutzen

24 Jahre nach der bislang schlimmsten Nuklearkatastrophe ist allerdings eine neue Schutzhülle für den explodierten Reaktor weiter überfällig

1986 ereignete sich die bislang wohl schwerste Atomkatastrophe, als es bei dem 4. Reaktor des Atomkraftwerks Tschnernobyl zur Kernschmelze kam und daraufhin zu einer Explosion kam, wodurch die Schutzhülle des Reaktors zerstört wurde. Riesige Gebiete wurden mit der ausgetretenen Radioaktivität verseucht, eine unbekannte Zahl an Menschen starben in der Folge. Um das Atomkraftwerk wurde ein mehr als 4000 Quadratkilometer großes Sperrgebiet mit einem Radius von 30 Kilometern eingerichtet, die Bewohner wurden evakuiert. Nur wenige Menschen kehrten inzwischen zurück, das Gebiet wurde zu einer Wildnis, die auch Touristen anlockte. Seit 10 Jahren sind alle vier Reaktoren abgeschaltet.

Der Reaktor wurde von hunderttausenden Katastrophenhelfern, so genannten Liquidatoren, die in der Folge des Einsatzes häufig an Krebs erkrankten und zu Tausenden starben, mit einem Betonmantel eingehüllt. Dieser Sarkophag ist aber nicht sicher, er hat Risse, es besteht das Risiko, dass er einstürzt oder dass Wasser in eindringt. Wie viel hochradioaktives Material, Asche und Lava sich im Inneren befinden, ist nicht bekannt. Es ist weiterhin hochgefährlich, weswegen eigentlich schon längst ein neuer, sicherer Sarkophag aus Stahl hätte gebaut werden müssen. Bislang hat man den alten Sarkophag nur notdürftig repariert. Er wird von Metalltürmen zusammen gehalten und wurde von oben abgedichtet. Das internationale Vorhaben kommt nur schleppend voran, nun soll der neue, 12 m dicke Schutzmantel 2013 fertig gestellt sein. Kosten wird das mindestens eine Milliarde Euro, wenn nicht mehr.

Trotz des weiterhin vorhandenen Risikos und auch einer unterschiedlich hohen Kontamination soll das Umland nun, wie die Nachrichtenagentur Rian berichtet, wieder für die landwirtschaftliche Nutzung freigegeben werden. Das hatte der Zivilschutzminister Bolotskich angekündigt. Bis März 2011 soll bereits ein Programm zusammen mit dem Landwirtschaftsministerium ausgearbeitet werden.

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