Und der Börsen-Crash kam doch

Der Frankfurter Leitindex DAX stürzte fast 5% ab und an anderen Börsen sah es nicht viel besser aus

Alle Versuche, die Finanzmärkte durch hektische Aktivitäten zu beruhigen, haben erwartungsgemäß keinen wirklichen Erfolg gezeitigt. Mit einem neuen Kurssturz von 5,02% unterbot der DAX am Nachmittag erstmals seit Anfang September 2010 wieder die Marke von 6.000 Punkten. Der deutsche Leitindex schloss auf 5.923 Punkten, war zum Teil aber bis auf 5.911 Punkte abgestürzt. Der ganz große Kurzsturz war das zwar nicht, aber angesichts der Tatsache, dass der DAX seit neun Börsentagen in Folge stark fällt, kann von einem Crash gesprochen werden.

Ähnlich sah es überall an den Börsen in Europa aus. Wie zuvor in Asien starteten auch die europäischen Börsen zum Teil im grünen Bereich. Die Financial Times Deutschland hatte zwischenzeitlich sogar ein maerkte-ticker-kursfeuerwerk-in-madrid-und-mailand/60088608.html: "Kursfeuerwerk in Madrid und Mailand" ausgemacht, also bei den Leitbörsen in Spanien und Italien, die gerade tief im Absturzstrudel stecken. Im Vergleich zu den Verlusten in Frankfurt oder Paris (4,7%) fielen die Verluste in Mailand und Madrid mit etwa 2,5% allerdings moderat aus.

Die beiden Länder profitierten vor allem davon, dass die Europäische Zentralbank (EZB) zwischenzeitlich am Sekundärmarkt massiv Staatsanleihen der beiden Länder aufgekauft hat. Die Risikoaufschläge sind daraufhin deutlich unter die Rekordwerte der letzten Wochen gefallen. Statt etwa 420 Basispunkte im Verhältnis zur zehnjährigen Bundesanleihe, gingen die Aufschläge auf knapp 300 Basispunkte am Sekundärmarkt zurück. Aber man muss kein Wahrsager sein, um vorhersagen zu können, dass es sich dabei nur um eine kurzfristige Erholung handeln dürfte. Die EZB müsste schon enorm viele Staatsschulden der beiden Länder in ihre Bücher nehmen und damit die Notenpressen auf Hochtouren laufen lassen, um deren Zinsen dauerhaft senken zu können. Neutralität einer Zentralbank sieht anders aus. Schließlich wollte die EZB den Tabubruch aufgeben , der sie immer stärker zur Bad Bank verwandelt.

Wie sich die Lage weiter entwickelt, hat sehr stark mit den weiteren Vorgängen in den USA zu tun. Auch dort steht in New York der Dow-Jones-Index tief mit 2,7% im Minus. Die Verluste dürften aber auch an der Wall Street im Laufe des Handels weiter zunehmen. Dass die Nachfrage nach US-Staatsanleihen sogar gestiegen ist, dürfte mit politischen Entscheidungen zu tun haben, schließlich hatten die G7-Staaten erklärt, für Stabilität des globalen Finanzsystems sorgen zu wollen. So sprang Japan als zweitgrößter Auslandsgläubiger den USA bei und nannte deren Treasuries "attraktiv".