Und noch mehr Öl

Zahlen über den Ausfluss im Golf von Mexiko erneut nach oben korrigiert

Und noch mehr Öl

US-Wissenschaftler haben die Abschätzung des im Golf von Mexiko austretenden Öls erneut nach oben korrigiert, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Demnach liegt die "wahrscheinlichste Rate" zwischen 35.000 und 60.000 Barrel (159-Liter-Fass) pro Tag. Letzte Woche hatte es 20.000 bis 40.000, Ende Mai noch 12.000 bis 19.000 Barrel pro Tag geheißen. "Die jüngste Abschätzung bezieht verschiedene wissenschaftliche Methoden und die jüngsten Daten vom Meeresboden ein", zitiert die Agentur Obamas Energieminister Steven Chu.

Damit wären selbst im günstigsten Fall bereits fast zwei Millionen Barrel in den Golf geflossen. Laut Reuters wäre das das Achtfache der Menge, die einst die Exxon Valdez verloren hat, als sie vor der Südküste Alaskas haverierte. Anders als seinerzeit im Prince-William-Sund gelangt diesmal lange nicht alles Öl an die Oberfläche. BP hat nach dem Motto "Aus den Augen aus dem Sinn" große Mengen eines giftigen Dispersionsmittels versprüht. Dadurch wurde das Öl in sehr feine Tröpfchen aufgelöst, die sich nun in großen Wolken unter der Oberfläche im Meer verteilen.

Nach den letzten Angaben kann BP derzeit 15.000 Barrel Öl auffangen, das heißt, demnach gelangen täglich noch 20.000 bis 45.000 Barrel Öl ins Wasser. Bis Mitte August wären das weitere 1,2 bis 2,7 Millionen Barrel, bis Weihnachten 3,8 bis 8,55 Millionen Barrel. Allerdings ist BP aufgrund des Drucks der Regierung dabei, seine Auffangkapazitäten erheblich auszuweiten. Die andere Frage ist, ob der Konzern dazu in der Lage sein wird.

Spätestens wenn der erste tropische Wirbelsturm über den Golf fegt, wird BP erhebliche Probleme bekommen. Die Hurrikan-Saison hat, wie mehrfach berichtet, Anfang Juni begonnen, doch zur Zeit ist keiner in Sicht. Die US-Wetterbehörde NOAA hat jedoch östlich der Antillen ein Gebiet identifiziert, in dem sich in den nächsten 48 Stunden ein Wirbel entwickeln könnte. Maßgeblich dafür sind neben der Wassertemperatur die richtigen Windverhältnisse. In den ersten acht bis zwölf Kilometern über der Wasseroberfläche darf die Windscherung nicht zu groß sein, das heißt, die Windgeschwindigkeit und -richtung darf sich nicht zu sehr von Luftschicht zu Luftschicht unterscheiden, weil sonst der Aufwindstrom eines Wirbels sofort wieder auseinander gerissen würde.

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