Uneinholbar reich

Drastische Vermögensunterschiede: Kluft zwischen Weißen und Afro-Amerikanern hat sich stark vergrößert

Kann man Weiß-Sein lernen? Das Buch "Die Geschichte der Weißen" ( The History of White People) der amerikanischen Historikerin Nell Irvin Painter vertritt die These, dass Rasse ein "fluides soziales Konstrukt" ist, wissenschaftlich nicht begründbar. Die weiße Hautfarbe stehe vor allem für eine bestimmte Sozialisation, für bessere Jobs, für den maßgebenden Lifestyle der Mittelschicht. Sie selbst, so die dunkelhäutige Autorin, sei "praktisch weiß" (wie Obama). Der Harvardabschluss und die Princeton-Professur bestimmen die gesellschaftlich relevante Farbe. Dennoch: Es ändere sich etwas, "Amerikanisch-Sein" werde in der öffentlichen Wahrnehmung nicht länger damit identifiziert, dass man weiß sei:

"Dafür gibt es zwei Gründe, die Immigration und die Öffnung der amerikanischen Gesellschaft nach den Bürgerrechtsgesetzen. Ein großer Anteil der Amerikaner sind gegenwärtig Immigranten, die nicht notwendigerweise in Schwarz-und Weiß-Kategorien denken. Weniger als die Hälfte der Immigranten bezeichneten sich im Jahr 2000 als 'weiß'. Derzeit werden auch Personen, die weiß sind, mit ihrer 'Rasse' identifiziert. Wenn Journalisten beispielsweise über die Tea-Parties schreiben, dann erwähnen sie jetzt oft, dass das Publikum meistens aus Weißen bestand. Das wäre meiner Ansicht nach früher nicht herausgesetllt worden."

Eine aktuell veröffentlichte Untersuchung des Instituts für Vermögenswerte und Sozialpolitik (IASP) der renommierten Brandeis-Universität weist demgegenüber auf einen großen ökonomischen Unterschied zwischen farbigen und weißen Amerikanern hin.

Analysen von wirtschaftlichen Daten, die sich über 23 Jahre erstrecken, von 1984 bis 2007, ergaben, dass sich die Kluft der Vermögensverhältnisse zwischen weißen und schwarzen Familien um das Vierfache vergrößert hat. Der Unterschied zwischen Americans und African-Americans hat sich, was die finanzielle Austattung und die davon bestimmten Lebensmöglichkeiten betrifft, also nicht nivelliert, sondern ist im Gegenteil noch größer geworden. Das wirtschaftliche Datenmaterial, das den Werdegang der selben Grundgesamtheit von national repräsentativen Familien Mitte der 1980er Jahre bis Mitte der 2000er Jahre aufzeichnet, offenbare, dass weiße Haushalte mit einem mittleren Einkommen zu größerem Vermögen kamen als schwarze mit einem hohen Einkommen, heißt es in der Zusammenfassung der Studie.

"Selbst wenn African Americans alles richtig machen - sich eine gute Ausbildung aneignen und hart für gutbezahlte Posten arbeiten - , schaffen sie es nicht, an das Wohlstandsniveau ihrer weißen Arbeitskollegen heranzukommen und das übersetzt sich in sehr unterschiedliche Chancen im Leben." Thomas Shapiro, Direktor des IASP

Viele schwarze Amerikaner hätten eher Schulden als Ersparnisse; mindestens ein Viertel der untersuchten schwarzen Familien hätten kein zurückgelegtes Geld, auf das sie im Normalfall zurückgreifen könnten. Anders bei den weißen Familien. Deren Vermögenswerte (Häuser nicht eingerechnet) wuchsen vom Medianwert in Höhe von 20 000 Dollar 1984 auf 100 000 Dollar im Jahr 2007. Demgegenüber errechnete man für African Americans einen sehr viel niedrigeren Medianwert der Vermögenswerte - 5 000 Dollar für 2007. Jeder zehnte schwarze US-Bürger hatte mindestens 3 600 Dollar Schulden, beinahe doppelt so viel wie 1984, so das Institut.

Der Vermögensunterschiede wird auch an einer anderen Vergleichsrechnung deutlich. Gegenüber gestellt wird hier ein weißer Haushalt mit durchschnittlichem mittleren Einkommen, 30 000 Dollar im Jahr 1984. Und ein schwarzer Haushalt mit durchschnittlichem höheren Einkommen, über 50 000 Dollar im Jahr 1984. Während der weiße Haushalt in den 23 Jahren durchschnittlich 74 000 Dollar an Vermögen ansparen konnte, hat die schwarze Familie durchschnittlich 18 000 Dollar angespart, so die Studie. Daraus ergebe sich eine Vermögenskluft von 56,000 Dollar. Dies zeige, dass höheres Vermögen nicht allein durch höheres Einkommen zu erzielen sei.

Die Ursachen für diese Unterschiede wähnt man bei der Politik, vor allem der Steuer-Politik, die mit Steuerkürzungen für Anlagevermögen und Erbschaft, die Begüterten bevorteilte, während Kredit-Wohn-und Arbeitsmärkte die benachteiligte Bevölkerungsschicht weiter diskriminieren würden. Gestützt werde diese Annahme durch Trends, die am Kreditmarkt zu beobachten seien. Insbesondere wird darauf verwiesen, dass Schwarze als Konsumenten oft Ziel teurer Kreditgeschäfte sind, da sie auf keine Rücklagen zurückgreifen können.