Unser Wunsch nach kühlen Räumen erwärmt die Welt

Cox und der Kampf gegen die Klimaanlagen

Es ist heiß, auch bei uns. Wer sie hat, schaltet die Klimaanlagen an oder auch nur die Luftkühler – in den Wohnungen und im Auto. Das gibt es natürlich nicht umsonst. Wer es kühl und einigermaßen angenehm haben will, muss den Preis für die Energie zahlen, vor allem aber: Er verbraucht mehr Strom oder Benzin, was die Klimaerwärmung fördert und dazu führt, dass Klimaanlagen noch notwendiger werden.

In den USA, die an der Weltmeister im Energieverbrauch sind, hat sich nun Stan Cox an die Spitze derer gesetzte, die die Klimaanlagen in Frage stellen und eine Kampfschrift als Buch veröffentlicht: Losing our Cool. Immer wenn der Sommer kommt, so Cox, werden die Kühler angeschaltet und vernichten so alle Zugewinne an Energieeffizienz. Air conditioning hat seit den 1990er Jahren einen Siegeszug angetreten und nach Cox das Sozialverhalten der Amerikaner verändert, zumindest insoweit, als man im Sommer nicht mehr so viel nach außen, in den öffentlichen Raum, geht. Das habe sogar US-Präsident Obama angemerkt, der sagte, dass die Menschen nicht mehr so viel in die Natur und die öffentlichen Räume gehen.

"These days", so lamentiert Cox, "we can go for weeks in the summer without visiting our own backyards, let alone the Grand Canyon. Front porches in the South, neighborhood parks in small Midwestern towns, and front stoops in Northern cities don't bring people together as they once did. Texas barbecue is now eaten indoors more often than out."

Wir ziehen uns also dank der Klimaanlagen in den umbauten Raum zurück, der so erträglicher wird als der Außenraum. Neben Fernsehen und Internet nun also auch noch die Klimaanlage, die das Indoor-Leben fördert, während das Leben draußen, outdoor, zunehmend verachtet wird und die Umwelt demgemäß keine Beachtung mehr findet. Wer zwanghaft, zur Aufrechterhaltung der Temperatur und zum Schutz des Innen vor den bösen oder gesundheitsgefährdenden oder nur unangenehmen (Mücken und Co.) Einflüssen des Außen, die Fenster und Türen verschlossen hält, verkümmert in der Isolation, meint Cox. Man hält sich nicht einmal mehr im Garten auf:

"The indoor life may be taking a mental as well as a physical toll. Spontaneous outdoor activity is good for more than fresh air and exercise. It has also been shown to relieve stress, spur creativity, and expand children's friendship networks. Lack of contact with the outdoors, in contrast, has been associated with behavioral problems."

Die Menschen wollen aber nicht mehr der Willkür der Natur ausgeliefert sein, sondern in angenehmen Wunschwelten leben. Also wird geheizt, wenn es kalt ist, und gekühlt, wenn es zu heiß ist. Genau das ist der Sinn der Technik, nicht den Launen der Natur ausgeliefert zu sein oder diesen zu trotzen.

Wer gegen die Klimaanlage ist, müsste eigentlich gegen fast jede Technik sein – und vor allem gegen jede Utopie, die stets zum Inhalt hat, die Welt wenigstens ansatzweise wieder zum paradiesischen Zustand upzugraden, also den Garten Eden neu ohne Gott, aber mit den technischen Mitteln zu erschaffen.

Allerdings wären Klimaanlagen ein wirkliches Problem, wenn sie kurzfristig die Luft in den umbauten Räumen kühlen, dafür aber dazu beitragen, dass die Klimaerwärmung steigt. Das aber ist genau der Fall, wenn man Cox folgt, der sagt, dass Klimaanlagen ein Fünftel der Energiekosten in den USA verursachen. Der Rückzug in die umbauten Räume, der nach Cox mit den Klimaanlagen gestiegen ist, könnte auch für die Epidemie der Fettleibigkeit verantwortlich sein. Wer sich dem Wetter nicht mehr aussetzen will, bleibt einfach sitzen, auch indem er fährt. Und Klimaanlagen fördern natürlich auch den Anspruch auf eine immerfort präsente wohltemperierte und standardisierte Umgebung, also das Leben unter den Wohlfühl-Bedingungen der Menschen: "Living in a less refrigerated country will mean actually living where we're located, not in a sterile, standardized environment."