Unwetter: Kältewelle in den USA wirft die Frage nach dem Klimawandel auf

Der "Bombenzyklon" trifft auf die Ostküste. Bild: NOAA

Zahlreiche Unwetter halten zu Jahresbeginn Menschen in diversen Ländern im Atem. Besonders im Falle Nordamerikas stellt sich die Frage, ob dort Anzeichen des Klimawandels vorliegen

Während die britischen Inseln mit Sturmfluten kämpfen, hierzulande im Süden und Westen aufgrund schwerer Niederschläge sowie milder Temperaturen vor schwerem Hochwasser gewarnt wird, zumal weiterer Regen in den nächsten Tagen die Situation noch verschlimmern könnte, und Nachbar Frankreich ganz ähnliche Probleme hat, stöhnt der Osten und Südosten der USA derzeit unter einem ungewöhnlichen Kälteeinbruch, schweren Stürmen, einer extremen Sturmflut in den Neuengland-Staaten und ächzt unter Schneemassen.

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Bereits seit Ende Dezember hält die Kältewelle an, die große Teile des Landesinneren und die Ostküste erfasst hat. Zeitweise war es im Norden Floridas kälter als in Teilen Alaskas. Zahlreiche neue Kälterekorde wurden aufgestellt, allerdings nicht so sehr in puncto Tiefsttemperatur als veilmehr in der Dauer der unterdurchschnittlichen Temperaturen. Bis Freitagnachmittag wurde von über 20 Todesopfern in den USA gesprochen. Auch in Europa starben Menschen aufgrund der Unwetter.

Hiesige Medien haben von ihren Kollegen die Bezeichnung "Bomben-Zyklone" übernommen. Die US-Behörde für Atmosphären und Ozeane (NOAA) weist allerdings darauf hin, dass es sich dabei um einen in den USA gebräuchlichen Fachbegriff der Meteorologen handelt. Er beschreibt nicht die Auswirkungen oder Heftigkeit eines Sturmes, sondern die besondere Schnelligkeit, mit der dieser sich entwickelt und intensiviert hat.

Die Frage ist: Hat das ganze etwas mit dem Klimawandel zu tun? Das ist derzeit Gegenstand der wissenschaftlichen Debatte, über die zum Beispiel die Plattform Sci-Tech Today berichtet. Als Kandidat für den Zusammenhang kommt der Jet Stream in Frage, eine starke Höhenströmung der Atmosphäre, an der entlang in den mittleren Breiten die Tiefdruckgebiete wandern.

Dieses Band starker Winde schlängelt sich rund um den Planeten. Mal strömt die Luft von West nach Ost, mal mäandert das Windband wellengleich weit nach Norden und dann wieder nach Süden. Aus den mathematischen Gleichungen, die diese Strömung beschreiben, können die Meteorologen seit langem ablesen, dass sowohl die Geschwindigkeit, mit der sich diese Wellen um den Planeten bewegen, als auch deren Amplitude, also ihre Auslenkung nach Nord und Süd, vom Temperaturkontrast zwischen der Arktis und den gemäßigten Breiten abhängt.

Je geringer dieser ausfällt, desto größer die Amplitude und desto geringer die Wellengeschwindigkeit. Eben das ist in den Sommern der letzten Jahre, passend zur überdurchschnittlichen Erwärmung der Arktis und dem damit abnehmenden Temperaturkontrast, wiederholt beobachtet worden und war des öfteren mit ausgeprägten Hitzeperioden verbunden.

Hier, auf einer Seite der Universität von San Francisco, kann man sich den Jet Stream der Nordhemisphäre der letzten 20 Tage anschauen. Zu sehen ist unter anderem, wie über Weihnachten dieses Windband bis zum Nordpol ausgriff und damit extrem kalte Luft an seine Vorderseite nach Nordamerika führte.

Wie viel an all dem natürliche Variation ist und wie viel der vom Menschen angestoßene Klimawandel, ist – wie gesagt – derzeit Gegenstand wissenschaftlicher Debatten und Untersuchungen, doch die Angelegenheit vermittelt eine gewisse Idee davon, dass globale Erwärmung für die hiesigen Breiten nicht unbedingt heißt, dass das Klima einfach nur angenehmer werden wird.

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Wie dem auch sei, mit gefährlichem Hochwasser und schweren Stürmen hatten zu Jahresbeginn auch Menschen in Nepal, Malaysia, Neuseeland und auf Jamaika zu kämpfen. In den USA sieht es derweil ganz danach aus, als würden in der nächsten Woche eine Reihe weiterer Stürme die Ostküste entlang ziehen.

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