VR ist nicht tot, es schläft nur ein wenig

Neben der Spur

Google Glas zu Ende, HoloLens noch nicht da, Oculus VR ziemlich ruhig geworden. Da soll sich einer auskennen

Wenn der CEO eines Unternehmens sagt, er habe sich von U2 zu einem digitalen Produkt inspirieren lassen, dann ist das inzwischen Grund genug, dass das Auditorium Rock'n' Roll im Magen spürt und ihm das rhythmische Kotzen kommt. Dabei will Ronny Abovitz nur darauf hinweisen, dass seine Idee für die vermutlich wegweisende VR-Technik von Magic Leap dadurch entstand, ein Konzert auf dem Dach so wie U2 in "Streets with no names" als Inspiration genutzt zu haben.

Iren sind menschlich: Wir alle wissen ja, dass Bono und seine Mannen die Beatles abgekupert haben. Und so wie sie das im Bild gemacht haben, scheinen im Moment alle Großen von allen Großen das zu tun. Während Google für Magic Leap über 540 Millionen USD hingelegt hat, obwohl angeblich noch gar kein wirkliches Produkt zu sehen sein soll, kommt Microsoft mit der HoloLens im Oktober heraus. Real und wirklich, allerdings handelt es sich eher um Enhanced Reality, denn die Office Icons sollen ja nur in das reale Umwelt hinein projeziert und interaktiv auf Wischen und Anstupsen sein.

Nun hat Apple ja auch schon 2008 einen Patentantrag auf eine Datenbrille gestellt, die scheinbar via iPhone gespeist werden soll. Natürlich arbeitet man dran. So wie an der Uhr, am nie kommenden Fernseher und seit neuestem am Automobil. Vermutlich gibt es auch iGor Nordwand, den interaktiven Outdoorspaß von Apple, aber das sollen ja alles auch nur Gerüchte sein.

Und deshalb möchte man ja auch wissen, was denn nun Facebook mit seiner zwei Milliarden USD teuren Erwerbung macht, die sich als Brille aufsetzen lässt. Für Spiele und Egoshooter in neuen Welten mag Oculus Rift ja Sinn machen und eine tolle Erfahrung abbilden. Aber was man damit in Facebook machen können soll, das erschließt sich einem noch nicht ganz, es sei denn, man besteht auf eine sehr intensive Erfahrung des elterlichen Selfies auf der eigenen Timeline. Aber das ist natürlich polemisch. Es soll ganz toll werden mit neuen VR-Applikationen von Facebook. Und an denen sitze man nun auch schon. Sagt man.

Deshalb lassen wir uns im Herbst überraschen von Microsoft und seinen projizierten Fuchtelbauklötzchen. Auch warten wir auf den Hammer von Apple und den Nachfolger der Google Glass, der uns via Magic Leap das Bild direkt auf die Netzhaut schießt. Außerdem können wir es kaum erwarten, Foodporn und die eigene Hauskatze in 3D zu erleben.

Das wird toll.

Oder aber es wird nie wirklich abheben. So wie elektronisches Papier, das ja auch schon bald kommen soll. Ganz sicher. Seit etwa zwanzig Jahren.

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