Vattenfalls Pannenreaktor

Zwei Jahre hatte Vattenfall Zeit, das AKW Krümmel durchzuchecken, doch nach der Inbetriebnahme dauerte es nicht einmal eine Woche, bis ein sicherheitsrelevantes Element ausfiel, und der Meiler wieder vom Netz gehen musste

In Deutschland sind nach Angaben des Atomforums 17 AKW mit einer elektrischen Leistung von 21.479 Megawatt (MW) im Betrieb. 2008 hatten sie eine Auslastung von 80 Prozent und produzierten 148,8 Milliarden Kilowattstunden Strom. Zwei der 17 AKW, die Kraftwerke Brunsbüttel und Krümmel und Schleswig-Holstein, standen 2008 ganzjährig still, ohne das es zu Vesorgungsengpässen gekommen wäre.

Das AKW Krümmel wurde am Dienstag letzter Woche wieder angefahren, wenige Tage später gab es den ersten meldungspflichtigen Vorfall. Eine elektronische Baugruppe, verantwortlich für die zeitverzögerte Auslösung von Schutzmaßnahmen, sei ausgefallen und ausgetauscht worden. Den umweltpolitischen Sprecher des Südschleswigschen Wählerverbandes SSW, der die dänische Minderheit im Kieler Landtag vertritt, veranlasste das zu der Feststellung, dass es keinen vernünftigen Grund gibt, das AKW nicht abzuschalten.

    "Diesmal haben nicht einmal zwei Jahre Reparatur ausgereicht, um das marode Atomkraftwerk wieder halbwegs fahrtüchtig zu machen. Krümmel ist mittlerweile ein Synonym für Panne und wäre es ein Auto, dann hätte das Ordnungsamt längst die Plakette abgekratzt. Das AKW Krümmel ist in den letzten Jahren nahezu dauerhaft ausgeschaltet gewesen, ohne dass in Schleswig-Holstein auch nur ein Licht ausgegangen ist. Außer den finanziellen Interessen von Vattenfall sprechen also alle Gründe dafür, diesen Schrottreaktor im Interesse der Bevölkerung so schnell wie möglich still zu legen."
    Lars Harms

Im Vorfeld der Wiederinbetriebnahme hatte die Umweltorganisation Greenepeace dem Bundesinnenministerium vorgeworfen, die Gefahr von Anschlägen auf den Reaktor heruntergespielt zu haben. Da Ministerium streitet ab. In der Begrün dung der Kieler Landesregierung für die Genehmigung der Wiederinbetriebnahme hatte es gehießen: "Der Bundesinnenminister hat [...] gegenüber der Atomaufsicht erklärt: Nach der aktuellen Lagebewertung des BKA gibt es keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass sich die Gefahr durch Anschläge mittels Luftfahrzeugen gegenüber dem Jahr 2002 erhöht hat." (Zitiert nach einem Bericht in der Zeit.)

Greenpeace hält dem entgegen, dass aus internen Papieren des BKA hervorgehe, dass sich das Anschlagsrisiko erhöht habe. Und eigentlich haben Wolfgang Schäuble und sein Amtsvorgänger Otto Schily in den letzten Jahren ja auch keine Gelegenheit ausgelassen, Anschläge und terroristische Bedrohung herbeizureden.

Nachtrag:

Kaum waren diese Zeilen am Dienstagabend geschrieben und hochgeladen, da kommt die Meldung, dass das AKW Krümmel schon wieder vom Netz genommen werden musste. Ein Eigenbedarftransformator sei ausgefallen. Nach nur acht Tagen also schon der zweite Ausfall eines wichtigen Bauteils.

Dienstag feiert auch das Atomforum seinen 50. Jahrestag. Zur Party war auch Bundeskanzlerin Angela Merkel eingeladen. Die nutzte nach einem Bericht des Handelsblatts die Gelegenheit, die Verlängerungen der AKW-Laufzeiten zu fordern und kündigte an, Atomkraft werde zum Wahlkampfthema werden. Nur zu.

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