Venezuela und Iran bauen "strategische Partnerschaft" aus

Hugo Chávez unterstützt auch die Position Mahmud Ahmadinedschad im Atomstreit.

Bei seinem Besuch in Venezuela haben der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad und sein Amtskollege Hugo Chávez demonstrativ den Schulterschluss zelebriert. Ahmadinedschad war auf seiner Lateinamerikareise gestern von Bolivien kommend in Caracas eingetroffen. Zuvor hatte er am Montag schon Brasilen einen Besuch abgestattet. Sowohl in Bolivien als auch in Brasilien hat der Iran Unterstützung für sein umstrittenes Atomprogramm erhalten.

Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hatte nach einem Treffen mit Ahmadinedschad das Recht des Iran auf ein eigenes Atomprogramm verteidigt. Anders als Brasilien, das offenbar anstrebt Atommacht zu werden, müsse das iranische Nuklearprogramm aber allein friedlichen Zwecken dienen und sich an internationale Verträge halten, sagte Lula. Er hat dabei für eine "gerechte und ausgewogene Lösung" geworben. Die internationale Gemeinschaft müsse mit Teheran im Bemühen um Frieden im Nahen Osten in Kontakt bleiben, sagte Lula. Den Iran zu isolieren, lehnt Brasilen ab.

Ähnliche Unterstützung erhielt der Iran in Caracas. Auch Hugo Chávez hat Ahmadinedschad seine Unterstützung im Atomprogramm in seiner gewohnt pathetischen Art zugesichert. Bei einem Treffen mit Ahmadinedschad würdigte Chávez vor allem dessen angebliche Rolle als "Gladiator des antiimperialistischen Kampfes", wie Chávez wörtlich sagte. "Christus und Mohammed weisen uns den Weg, um die Bedrohungen des Imperiums zu zerschlagen", sagte er mit Blick in die USA. "Sie können es nicht mit uns aufnehmen und der Frieden wird siegen."

Da auch der unter zweifelhaften Umständen ins Amt gewählte Ahmadinedschad wollte da nicht nachstehen und dankte den Göttern für die Möglichkeit, bei seinem "mutigen Bruder" zu sein. "Ein Bruder, der wie ein Berg den Angriffen des Imperialismus und des Kolonialismus trotzt", gab der geschmeichelte Iraner die Komplimente zurück und hob die "bewundernswerte" Rolle des venezolanischen Staatschefs in Lateinamerika hervor.

Vereinbart wurde zwischen dem linkspopulistischen Chávez und dem erzkonservativen Ahmadinedschad, die bilateralen Beziehungen auszubauen und die "strategische Partnerschaft" zu stärken. Vor allem die wirtschaftlichen Beziehungen der beiden Ölstaaten standen beim vierten Besuch des Iraners in Venezuela wieder im Mittelpunkt. Erneut wurden 45 Kooperationsabkommen geschlossen. Die bilaterale Zusammenarbeit soll im Bereich von Energie, Landwirtschaft und Fischzucht, Investitionen, Handel, Wissenschaft, Industrie und auch im Tourismus verstärkt werden. Schon bei einem Besuch von Chávez vor zwei Monaten in Teheran waren etliche Kooperationsverträge geschlossen worden. Es war insgesamt das neunte Treffen zwischen den beiden Regierungschefs.

Allerdings kam es in Venezuela auch zu Protesten gegen Ahmadinedschad. Die Opposition bezeichnete den iranischen Präsidenten als "unerwünschten Diktator". An den Protesten vor der iranischen Botschaft hatten sich auch Studenten, die jüdische Gemeinde und auch Überlebende der Shoa beteiligt. Das darf nicht verwundern, schließlich zweifelt der Iran der Holocaust immer wieder an. Zu den Demonstranten gesellten sich aber auch Schwule, Lesben und andere Gruppen, die im Iran verfolgt werden.

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