Viele Handys sind mit Darmbakterien kontaminiert

Britische Wissenschaftler kommen nach einer Untersuchung von Händen und Handys zum Ergebnis, dass es mit der Hygiene nicht zum Besten steht

Früher hätte man sich keine Gedanken darüber gemacht, sich nicht immer und überall die Hände zu waschen. Seitdem man aber nachweisen kann, welche Bakterien von den Händen auf andere Menschen oder Dinge übertragen werden können, wird die Hygiene zur sozialen Norm.

Gerade unsere liebsten Gadgets wie die Handys werden von den Bakterien erobert. Was man immer dabei hat und ständig nutzt, wird zu einer gefährlichen Waffe im endlosen biologischen Kampf zwischen Wirten und Parasiten. Gerade haben wieder britische Wissenschaftler von der London School of Hygiene & Tropical Medicine festgestellt, dass viele Handys dreckig sind, auf einem Sechstel (oder 16 Prozent) der von ihnen untersuchten wurden E. Coli-Bakterien nachgewiesen, die im Darm leben. Das heißt, die Handy-Besitzer haben sich die Hände nicht gewaschen, nachdem sie auf der Toilette waren. Kein Wunder also, dass auf 16 Prozent der Hände auch die Darmbakterien gefunden wurden.

Man lügt sich also über die mangelnde Hygiene hinweg und ist sorglos, obgleich sich die Meisten der Risiken durchaus bewusst sind. Fast 95 Prozent der Menschen, deren Handys untersucht wurden, behaupten nämlich, dass sie ihre Hände mit Seife waschen würden, falls dies möglich ist. Aber auf 31 Prozent der Hände und 25 Prozent der Handys fanden sich auch Bakterien der Art Staphylococcus aureus, die es zwar überall auf der Haut gibt, die aber gefährlich werden können, wenn sie von einem Menschen zu einem anderen übertragen werden.

Problematisch wird es allerdings, wenn die Wissenschaftler sagen, dass auf 92 Prozent der Handys und auf 82 Prozent der Hände Spuren von Bakterie gefunden wurden. Wir leben nun mal in der Welt, die kein Hochsicherheitstrakt ist, sondern von Organismen bevölkert ist, die auch in und auf uns leben. Eine hygienische Welt, die frei von Parasiten oder gar von allen Bakterien wäre, wäre auch eine lebensfeindliche Welt. Wir sind auf "freundliche" Bakterien angewiesen, dazu gehören auch E. Coli. Wir sind Symbionten angewiesen, auf eine Kooperation. Die pure Hygiene würde bedeuten, das Leben selbst zu negieren.

Gleichwohl kann das Händewaschen die Übertragung von Krankheiten verhindern. Aber das heißt auch nicht, dass man das Leben in einer sterilen Umgebung befürworten soll, zumal sich Parasiten anpassen und Resistenzen entwickeln. Zwar konnten die Pocken durch Impfprogramme ausgelöscht werden, auch wenn die Russen und Amerikaner weiter sicherheitshalber Kulturen gebunkert haben, aber die Vision, die Menschheit von den Seuchen zu befreien, wird sich nicht erfüllen lassen, solange sie auf der Erde gemeinsam mit Millionen anderer Arten lebt.

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