Vielfacher faschistischer Gruß bei Madrid

(Bild: Screenshot La Vanguardia)

Die Ewiggestrigen in Spanien pilgern aus Protest zur Franco-Gedenkstätte, da die sozialdemokratische Regierung die Reste des Diktators aus dem „Tal der Gefallenen“ exhumieren will

Stellen wir uns einmal in Deutschland einmal etwas vor, was in Spanien anscheinend völlig normal ist. Stellen wir uns also vor, es gäbe in einem Tal 50 Kilometer von der Hauptstadt entfernt eine Nazi-Gedenkstätte, in der Hitler begraben wurde, zu der jährlich die Ewiggestrigen pilgern, um die Diktatur zu verherrlichen, den Hitlergruß zeigen und Nazi-Lieder abzusingen.

Stellen wir uns zudem vor, dass es sogar noch eine Hitler-Stiftung gäbe, die von einer Regierung subventioniert wird, die von einer Volkspartei (PP) gestellt wird, die von Ministern der Hitler-Regierung gegründet wurde, die sich von Putsch und Diktatur bis heute nicht distanziert hat ...

All das ist in Spanien normal und am Sonntag sind besonders viele Faschisten und Ultranationalisten ins sogenannte "Tal der Gefallenen" gepilgert, wo sich der Diktator noch zu Lebzeiten eine Gedenkstätte schaffen ließ. Dort wurde er nach seinem Tod 1975 bestattet.

Der Hintergrund für die Versammlung von etwa 1.000 Faschisten war der Aufruf der "Bewegung für Spanien". Die hatte angesichts der Pläne der neuen sozialdemokratischen Regierung, Franco und den Vorgänger Primo de Rivera zu exhumieren, zu einem "nationalen patriotisch-religiösen Pilgerzug" aufgerufen, um gegen die Pläne zu protestieren.

Auch für die Neue Züricher Zeitung löst das "150 Meter hohe Betonkreuz auf einem Felskegel über der kargen kastilischen Landschaft" ein "beklemmendes Gefühl aus". Das Kreuz zeigt die klerikal faschistische Verstrickung zwischen katholischer Kirche und Faschismus. "Es ist ein Monument für den Sieg der Franquisten über die Republikaner im spanischen Bürgerkrieg (1936–1939) und dient den verbliebenen, ewiggestrigen Anhängern des Diktators Francisco Franco (1892–1975) bis heute als Pilgerort“, schreibt die Zeitung weiter.

Dass damit jetzt Schluss gemacht werden soll, treibt die Faschisten nun auf die Barrikaden. Denn der Sozialdemokrat Pedro Sánchez will die Reste des Diktators nun in die die Krypta der Familie Franco umbetten, den die in Madrid noch unterhält. Dass dies eilig noch im Juli geschehen kann, ist aber inzwischen zweifelhaft.

Sánchez hatte kürzlich gegenüber Journalisten mit Blick auf den Urlaubsmonat August erklärt: "Ich werde euch damit noch bei der Arbeit erwischen." Doch nun rudert sein Infrastrukturminister zurück. "Ich kann nicht sagen, wann es soweit ist", erklärte José Luis Ábalos mit Blick darauf, dass man unter anderem die Familie des Diktators um Erlaubnis fragt.

Statt das schnell über die Bühne zu bringen, lässt man den Faschisten nun Zeit, sich gegen die geplante Maßnahme organisieren zu können und um weiter wie am Sonntag den Faschismus verherrlichen zu können. Ob das einst völlig verwässerte Gesetz zur "historischen Erinnerung" tatsächlich reformiert wird, wie es die Regierung prüft, darf abgewartet werden. Angeblich will Madrid nun die Organisationen verbieten, die die Diktatur und den Faschismus verherrlichen.

Dabei ist diese Darstellung ohnehin falsch, denn es gibt kein "Gesetz zur Wiederherstellung der historischen Erinnerung". Denn auf massiven Druck der spanischen Rechten und der katholischen Kirche wurde das Vorhaben extrem verwässert. Die Opfer der Diktatur liegen deshalb meist noch heute nicht identifiziert in Massengräbern.

Sogar der Name wurde geändert. "Gesetz zur Anerkennung und Ausweitung der Rechte der Opfer des Bürgerkriegs und der Diktatur" heißt es. Und das ist Geschichtsklitterung. Es gab keinen Bürgerkrieg, sondern einen Putsch der Generäle gegen dieRepublik, die viele Menschen mit ihrem Leben verteidigt haben. Die sterblichen Überreste wurden im Mausoleum im "Valle de los Caídos" verscharrt.

Wie Franco, der friedlich im Bett verstarb, wurden dort viele Menschen vergraben, die nicht "gefallen" sind. Sie wurden oft von Faschisten ermordet. Geschätzt 34.000 Menschen wurden mit den Überresten der Diktatoren in dem Tal vergraben, meist Republikaner, Anarchisten, Kommunisten, baskische und katalanische Nationalisten.

Hier blieben auch die toten Zwangsarbeiter, die den Bau nicht überlebt haben. 20 000 Männer, hauptsächlich Republikaner, mussten bis 1958 unter unmenschlichen Bedingungen das Monument in die Felsen der Sierra de Guadarrama schlagen und viele verloren dabei ihr Leben.

Während man die Familie Franco um Erlaubnis fragt, werden die Rechte der Angehörigen der Opfer der Diktatur bis heute in Spanien mit Füßen getreten. Sie kommen nicht an die Überreste ihrer Angehörigen. Die Verbrecher, auch das ist eine spanische Besonderheit, wurden nie bestraft, sondern haben sich selbst amnestiert.

Das Land, das die Auslieferung von Demokraten wie Carles Puigdemont auf Basis einer herbeifabulierten Rebellion fordert, weigert sich bis heute, Folterer und Mörder an Argentinien auszuliefern. Dort haben Franco-Opfer ein Verfahren angestrengt, was in Spanien unmöglich war.

Einer der Polizei-Folterer, ein "sadistischer Folterterrorist", wie die Opfer in ihren Anzeigen bekräftigen, wurde sogar mehrfach mit Orden ausgestattet. Deshalb hat Billy El Niño eine um 50% höhere Rente, als sie ihm eigentlich zusteht.

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