Vom eingebetteten Reporter zum eingebetteten PsyOp-Soldaten

Das Pentagon gibt immer mehr Geld für PsyOp und Öffentlichkeitsarbeit aus, PsyOp-Soldaten werden auch zur Ausbildung in Nachrichtenredaktionen geschickt

Das Pentagon hatte die Journalisten zu Beginn des Irak-Krieges bei den Truppenverbänden "eingebettet", um ihnen so die "richtige" Perspektive zu geben und kontrollieren zu können, was sie berichten. Schon nach dem 11.9. und im Vorfeld des dann schon vorbereiteten Irak-Krieges waren die US-Medien gegenüber der Bush-Regierung weitgehend unkritisch geworden.

Die Bush-Regierung hatte die Medien auch durch den Hinweis auf angeblich zu wahrende nationale Interessen entsprechend unter Druck gesetzt, zudem war die Stimmung in der US-Bevölkerung aufgeladen, so dass mit der Angst vor dem Terrorismus praktisch alles innen- und außenpolitisch durchgesetzt werden konnte. Viel Geld wurde auch in die Propaganda gesteckt, das Pentagon versuchte immer wieder einmal, mit eigenen Abteilungen die Öffentlichkeit nicht nur in den Kriegsgebieten medial zu beeinflussen. Erst als die Probleme wuchsen und allmählich die Zustimmung zur aggressiven Politik von Bush abbröckelte, begannen wieder kritische Berichte in den großen Medien zu erscheinen.

Wie The Upshot von Yahoo News nun herausgefunden hat, waren nicht nur Journalisten bei Auslandseinsätzen in Truppeneinheiten eingebettet, sondern wurden auch Soldaten während der Ausbildung zu Experten für die Psychologische Kriegsführung (PsyOp) in den USA bei Medien eingebettet. Nach Informationen, die The Upshot durch Anfragen nach dem Informationsfreiheitsgesetz (FOIA) erhalten hat, wurden spätestens 2001 Vereinbarungen zwischen dem Pentagon und dem Sender CBS getroffen, so dass PsyOp-Soldaten in den Lokalredaktionen von WRAL in Raleigh, North Carolina, und WTOC in Savannah, Georgia, Erfahrungen sammeln konnten, um "die Gefühle, Motive, das Denken und letztlich das Verhalten von ausländischen Medienkonsumenten zu beeinflussen". Zwar sollen ab 2007 keine PsyOp-Soldaten mehr bei WRAL gesehen worden sein, bei WTOC soll aber weiterhin ein Soldat in der Redaktion sein.

Nach Auskunft des Pentagon hätten sich die PsyOp-Soldaten nicht am Sammeln von Informationen beteiligt, aber beide Sender hätten das Militär gut unterstützt. Vermutlich wird die Praxis weiter verbreitet sein. Schon 2000 wurde bekannt, dass CNN mit PsyOp-Soldaten in der Nachrichtenredaktion zusammen gearbeitet hatte. CNN hatte sich dafür entschuldigt, aber 2007 und 2008 erneut bei CNNMoney.com PsyOps eingebettet. Erst kürzlich hatte Upshot //news.yahoo.com/s/yblog_upshot/20100804/us_yblog_upshot/federal-records-show-cnn-chicago-tribune-hosted-active-duty-marines-as-interns: berichtet, dass PsyOp-Soldaten auch bei der Chicago Tribune mitgearbeitet haben oder ein "Praktikum" machen konnten. Das Pentagon hatte, wie die New York Times 2008 berichtete, eine Reihe von Offizieren im Ruhestand dafür eingesetzt, um in den Nachrichten als "Experten" Pentagon freundliche Einschätzungen zu geben.

Das alles dürfte nur die Spitze des Eisbergs sein. Immerhin hat das Pentagon nach Recherchen der Nachrichtenagentur AP allein 2009 4,7 Milliarden Dollar in Programme investiert, um die Menschen zu beeinflussen und sie für sich einzunehmen. Mit 1,6 Milliarden floss der größte Teil in die Werbung, um neue Rekruten zu finden, 547 Millionen gingen in Öffentlichkeitsarbeit, die sich an das amerikanische Publikum richtet, und 489 Millionen, also fast eine halbe Milliarde Dollar, in Psychologische Operationen. 2,1 Milliarden wurden als Personalkosten für diesen Bereich veranschlagt. Allerdings könnten die Ausgaben noch höher sein, weil viele Budgets der Geheimhaltung unterliegen.

So gibt es beispielsweise den Joint Hometown News Service, der Berichte erstellt und an Medien kostenlos verteilt. Für 2009 sollen so nach AP 5.400 Artikel, 3.000 Fernsehbeiträge und 1.600 Radiointerviews erstellt worden sein, 50 Prozent mehr als 2007. Gerade wenn sich kaum Erfolge in Afghanistan zeigen lassen, der Abzug aus dem Irak ein Land hinterlässt, das ein Sprengfass ist, und auch beim Pentagon gespart werden muss, scheint Propaganda desto wichtiger zu werden. Die Ausgaben für PsyOp und für Öffentlichkeitsarbeit haben sich gegenüber 2003 verdoppelt.

Robert Hastings, der Direktor für Öffentlichkeitsarbeit beim Pentagon, führt dies einzig auf Veränderungen auf dem Informationsmarkt zurück. Es sei notwendig, den Menschen die Informationen zu liefern, die sie für kundige Entscheidungen benötigen. Manipuliert würde da nichts. Das muss er auch sagen, denn dies ist dem Pentagon untersagt, wenn es um die US-Bürger geht. Deswegen musste das Pentagon unter Verteidigungsminister Rumsfeld, das 2002 gegründete Office of Strategic Influence auch wieder schließen. Admiral Gregory Smith, der Direktor für Strategische Kommunikation beim Central Command, ist da ein wenig offener. Psychologische Operationen müssen geheim sein, erklärt er, und man könne den Informationskrieg gegen Aufständische nicht gewinnen, ohne dass auch US-Bürger die geheime Propagandastrategie mitkriegen, also getäuscht werden. Der "Fog of War" ist freilich schon immer auch bewusst geschürt worden.

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