Von Mücken und Viren

Der Klimawandel bereitet Tierarten und Seuchen den Weg nach Norden

Globalisierung und Klimaerwärmung begünstigen die Ausbreitung neuer Arten bei uns. Exemplarisch für die Nordsee hat das Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI) diese Entwicklung in der Nordsee dokumentiert. Dort beträgt der Temperaturanstieg seit 1962 im Mittel 1,5°. Ausreichend warm für rund 50 eingewanderte Arten, die dort heimisch geworden und in ihrem neuen Lebensraum teils so erfolgreich sind, dass sie einige Biotope bereits dominieren ( Telepolis berichtete).

Doch auch an Land ermöglichen Globalisierung und Klimawandel eine Ausbreitung von neuen Wirtsarten und mit ihnen von bisher exotischen Krankheiten nach Norden. Die mittlere Erwärmung in Deutschland fällt zwar moderater aus als die der Nordsee und liegt bisher bei rund 1° im letzten Jahrhundert. In Verbindung mit dem Überspringen großer Distanzen durch den Ferntransport reicht aber auch das für die schnelle Ausbreitung der Zwischenwirte und ihrer Anpassung vor Ort.

Das Robert-Koch-Institut erstellte nach dem Auftreten erster Epidemien bereits vor zwei Jahren eine Überblicksstudie zum Klimawandel und Infektionskrankheiten und der Relevanz für Deutschland. Es bewertete die Gefährdung durch das Hantavirus, Leptospirose, FSME, Campylobacter, Dengue und, nach Ausbruch der ersten Epidemie in der Emilia-Romagna, auch das Chikungunya Virus.

Aktuell bei uns besonders präsent sind Erkrankungen durch das Schmallenberg-Virus, das in den Viehbeständen Norddeutschlands Todgeburten verursacht. Die jetzt sichtbaren Erkrankungen gehen dabei auf Infektionen aus dem letzten Jahr zurück. Übertragen wird das Virus durch einige Arten von Gnitzen (Bartmücken). Die Insekten spielen seit 2005 auch eine Rolle bei der Ausbreitung einer anderen Viruserkrankung, der Blauzungenkrankheit.

Das Schmallenberg-Virus reicht jetzt schwerpunktmäßig weiter nach Norden von Nordrhein-Westfalen bis Schleswig-Holstein. Zur Gefährdung von Menschen schreibt das European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC), dass genetisch ähnliche Viren bisher beim Menschen keine Erkrankungen verursacht haben, eine Gefährdung zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht ausgeschlossen werden kann.

Problematischer ist dagegen die Ausbreitung der Tigermücke, denn sie ist Träger gleich mehrerer für den Menschen gefährlicher Infektionserkrankungen (West-Nil-Virus, Gelbfiebervirus, St.-Louis-Enzephalitis, Dengue- und Chikungunya-Fieber). Die Mückenart ist hart im Nehmen, bereits am Oberrhein heimisch geworden und übersteht auch die Winter. Das ECDC prognostiziert im Zuge der Klimaerwärmung eine Ausbreitung der Tigermücke innerhalb der nächsten Jahre über große Teile Europas bis nach Südschweden. Problematisch ist das besonders deshalb, weil die Mückenart ihre "Wirksamkeit" auch in Europa bereits bewiesen hat, in Norditalien infizierte sie mehr als 200 Menschen mit dem Chikungunya-Virus.

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Bild: European Centre for Disease Prevention and Control

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