Von der Traufe in den Regen?

Abwägen vor der Schließung des Atommüll-Lagers Asse

Die Schließung des Pannen- und Skandal-Atommüll-Lagers Asse soll bis Jahresende stattfinden. Auch, wenn wegen der bevorstehenden Bundestagswahl, noch ein großes Fragezeichen davor steht, wird zur Zeit die Entscheidung über das Vorgehen vorbereitet. Als Optionen stehen zur Debatte:

  • die Bergung der strahlenden Abfälle einschließlich der Bergung des umliegenden inzwischen auch kontaminierten Verfüllmaterials
  • die Umlagerung in andere Bereiche des Salzstocks. Angedacht sind tiefere Schichten des Salstocks die (noch) nicht von eindringendem Sickerwasser betroffen sind
  • die Verfüllung der Hohlräume mit Beton. Dies könnte die Auspülungen und die Erosion des Salzstocks verzögern.

Die letztendliche Entscheidung wird gerade anhand eines Kriterienkatalogs vorbereitet. So müssen etwa der Strahlenschutz zu jedem Zeitpunkt der Aktion, die Langzeitsicherheit und die technische Machbarkeit gegeben sein. Diese Kriterien widersprechen sich teilweise. Eine Bergung der bisher schon eingelagerten Abfälle wäre vor Ort langfristig vielleicht die sicherste Variante. Aber sie ist kurzfristig besonders problematisch, weil es sich bei einem Großteil des Mülls mittlerweile um ein Gemisch aus teils korrodierten Fässern, Schlamm und kontaminiertem Salz handelt der erst neu verpackt werden müßte. Eine Umlagerung nach außerhalb der Asse wäre riskant und es stellt sich auch an der Oberfläche die Frage, wohin denn nun mit den Abfällen?

Ungeklärt ist auch, ob ein Ausräumen des Lagers Asse noch möglich ist, ohne die Einsturzgefahr während der notwendigen Baumaßnahmen unkalkulierbar zu erhöhen. Denn zur Zeit spülen 12m³ Wasser pro Tag durch das Atommüll-Lager. Wenn nun mit neuen Baumaßnahmen begonnen wird und die Kavernen erweitert werden, könnte sich der Wasserzufluss in einem Maß erhöhen, das strahlungstechnisch nicht mehr zu handhaben ist. Die Vogel-Strauss-Lösung schließlich, mit einem bloßen Verfüllen mit Beton wäre kurzfristig die am wenigsten riskante Lösung, hinterläßt aber den Pfusch und alle Probleme von heute für Äonen von Jahren den zukünftig dort lebenden Menschen - nicht gerade fair.