Von hier ab blind

Neben der Spur

AI wird zum Aushängeschild von Unternehmen, sagt Accenture; und ersetzt Bildschirme

Ein lieber Freund, der in den 90ern als Trendforscher unterwegs war, hat es mir mal so erklärt: Zukunft erklärt man am besten so, dass man die Gegenwart nimmt und sie so umformuliert, als würde sie in der Zukunft ablaufen.

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So gesehen sind wir bereits mitten drin in einem Wirtschaftssystem, das durch Artificial Intelligence geprägt wird. Und Accenture hat dem Freund heimlich zugehört und verkauft das als "Future of Economy" und "Trend 2017". Das kann man den Damen und Herren der einigermaßen erfolgreichen Unternehmensberatung auch nicht verübeln. Was die schön gestalteten Slides ja sagen, ist eigentlich ganz einsichtig:

Weil immer mehr KI-Systeme zwischen Kunden und Unternehmen im Einsatz sind, werden sie zum Gesicht des Unternehmens. Des Unternehmens übrigens, das immer mehr in Richtung ausgelagerten Plattformen denkt und ehemalige Angestellte auf dem digitalen temporären Markt akquiriert. Also noch einmal verkürzt gesagt: Unternehmen der Zukunft bestehen aus künstlicher Intelligenz, der Rest wird zugekauft.

Das ist natürlich jetzt erst einmal ein harter Brocken. Irgendwann geht es uns dann wohl so, dass da draußen auf den Märkten irgendwo Konzerne agieren werden, von deren Existenz wir vage gehört haben, die sich aber nicht mehr eindeutig einer Postadresse zuordnen lassen. Oder der Praktikant biegt eines Tages bei einem Cloud Provider um die Ecke und gesteht dem Chef bleich, er habe gerade eine weltweit große Unternehmensberatung gelöscht.

Das wäre natürlich bitter.

Aber diese Aussagen der Accenture, die auf Interviews von 5400 noch ganz real als Menschen existierenden Managern basieren, gehen noch weiter. Gleichzeitig, weil die eine künstliche Intelligenz zur anderen redet und dabei sich herzlich wenig um den humanoiden Anteil in der Kommunikationskette kümmert, werden die Bildschirme verschwinden.

Da kann man jetzt natürlich sagen: Hey, also das ist ja wohl das Unwichtigste, ob bei all dem noch ein 27-Zoll-Schirm auf einem Schreibtisch steht. Aber sagen wir es so: Das Zeichen, dass die eigene Firma bald zwischen dem A und dem I von Artificial Intelligence Strukturen verschwindet, wird dann sein, dass man plötzlich immer weniger Bildschirme sieht. Wenn wir also morgen früh in das immerhin noch existierende Büro kommen (vorausgesetzt, man ist nicht eh schon zu Homeoffice verknackt) und lange Tischreihen mit Telefon und sonst nichts vorfinden, dann dreht man hier keinen Film aus dem 1930er Jahren, sondern lagert gerade das eigene Unternehmen aus.

Das kann in der Zukunft passieren, könnte aber schon 2017 geschehen. Mal sehen.

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