Vorratsdatenspeicherung: Süchtige Datensäufer im Fuselrausch

Außer Kontrolle

Bei der Vorratsdatenspeicherung wird erneut kräftig Verantwortungspingpong gespielt - die EU-Kommission will sie ja eigentlich gar nicht, sondern nur die Länder. Die Länder wiederum müssen jetzt aber die Richtlinie umsetzen...

Ach ja· die Süchtigen - arme Opfer der Umstände, die eigentlich gar nicht süchtig sind, jederzeit aufhören könn(t)en, wenn sie denn woll(t)en und nur immer wieder von anderen verführt werden. Aber es gibt doch auch immer so gute Gründe dafür, eben nicht aufzuhören...

Genauso verhalten sich derzeit die EU-Mitgliedsstaaten, die die VDS woll(t)en, und die EU-Kommission. Völlig betrunken von dem Datenfusel, den sie sich da seit geraumer Zeit antun, fuchteln sie anklagend in irgendeine Richtung und brabbeln davon, dass sie selbst ja gar nichts davon trinken wollen, aber es nun mal nicht anders ginge, weil eben die anderen sie dazu zwingen.

Die EU-Kommission, die selbst Angst vor Entzugserscheinigungen hat, wenn sie nicht regelmäßig ein neues Datensammelfass aufmachen kann, lallt etwas von "ja, aber die Mitgliedsstaaten da drüben, die wollen doch dieses edle Tröpfchen hier haben", und gießt sich selbst den nächsten Humpen ein, während die Mitgliedstaaten ihrerseits das nächste Viertel herunterstürzen und darüber sinnieren, dass sie nun einmal mittrinken müssen weil es der Kellermeister EU so will und sie sich dem beugen müssen. "Schenk noch mal ein", brüllen aber beide Seiten, die es auch wenig schert, dass andere, die diesen Fusel nicht probieren wollen, ihnen ein gutes Tröpfchen anbieten könnten. Im Datenvollrausch mutiert eben auch noch das letzte Gemenge aus Blättern, Käfern, Erde, Steinchen und vergammelten Trauben zur Meisterwelt der Weinkunst. Ansonsten hofft man einfach, durch Lagerung das Ganze veredeln zu können.

"Die EU-Richtlinie zur VDS soll natürlich noch überarbeitet werden", säuselt man seitens der EU in die Öhrchen der Kritiker. "Aber das dauert... das dauert..." Und in der Zwischenzeit kann man ja schonmal den Fusel weitersaufen, bis vielleicht was anderes zur Verfügung steht. Den VDS-Humpen noch in der Hand redet die EU-Kommissarin Cäcilia Malmström tatsächlich davon, dass es geplant sei, die EU-Richtlinie so zu überarbeiten, dass am Ende eine Regelung steht, mittels derer nur die notwendigen Daten und nur für die notwendige Zeitspanne gespeichert werden, und wundert sich darüber, dass der Kritiker ihr fortschreitende Datensaufdemenz bescheinigt.

Als wenn Datensparsamkeit nur ein exotisches Kräuterlein wäre, das man dem Fusel beimengt, nicht aber ein Prinzip, das bereits am Anfang des Prozesses steht, wird nunmehr beim Vorratsdatenwettsaufen laut gegrölt, dass diese demnächst angewandt werden wird, in der Zwischenzeit aber sei halt nur die derzeitige Richtlinie da und man muss halt "saufen, was da ist". Eigentlich sind wir ja alle Datengourmets, aber wenn nun irgendjemand schon das Fass hingestellt hat, dann mutieren wir eben auch zu Datengourmands, auch wenn dabei die telekommunikative Privatsphäre der EU-Bevölkerung ebenso in den Datenmengen ersäuft wie die Verhältnismäßigkeit.

EU-Kommission und die Länder, die die VDS tatsächlich wollen, aber zu feige sind, dies auf nationaler Ebene auch durchzudrücken und einzugestehen, spielen munter "wir lassen das Fass in Brüssel" und schaffen es in ihrem Datensuff nicht einmal mehr, Fakten und Daten zu bekommen, die die Notwendigkeit und Verhältnismäßigkeit belegen, sondern könnnen hackedicht nicht mehr zwischen Notwendigkeit und Nützlichkeit unterscheiden. "Das Fass steht hier, ich trink davon, also ist es notwendig", lautet die bezwingende Logik derjenigen, die sich immer wieder vollaufen lassen und darauf hoffen, dass demnächst auch die Flugdatenfässer, Swiftfässer und Co. hereingerollt werden, damit es gar nicht erst zum Datensammlungskater danach kommen kann weil der Nachschub gesichert ist.

Die Säuferrunde rückt näher zusammen damit nicht auffällt, dass einige Plätze leer sind und Kellermeister Malmström schwadroniert munter davon, dass die EU-Mitgliedsstaaten ("also die Runde hier *hicks*") ja alle ganz offen und unanonym für die VDS gestimmt haben, während diejenigen, die gegen die VDS-Richtlinie waren, draußen mit ihren edlen Tröpfchen an die Kellerwand trommeln und irritiert auf das "Wir müssen draußen bleiben"-Schild starren. Ja, für die Slovakei und Irland, die schon zu Beginn dieser feuchtfröhlichen Zecherrunde meinten, sie wollen lieber ihr eigenes Tröpfchen kreieren, ist kein Platz bei den Kellerkindern.

"Harmonischieren wolln wa...", johlt die VDS-Säufermeute und ist in ihrem Rausch nicht einmal mehr fähig, die Maske aufzubehalten, die man jahrelang noch brav vors Gesicht gehalten hat. "Wir pfeifen auf Datenqualität, auf Verhältnismäßigkeit und Datensparsamkeit", singt man fröhlich ins Mikro. "Eins, zwei, g'sammeln..." Auf dass das nächste Fass geöffnet werden kann und wieder niemand weiß, woher es denn kam. Wie sagt die Ente bei "Geht´s noch" so treffend? Zum Kotzen.

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