Was der Papst zu sagen hat, interessiert in Deutschland kaum jemanden

Nach einer Umfrage der Bertelsmann Stiftung haben die Äußerungen des katholischen Kirchenoberhaupts am ehesten noch bei Senioren, in der Landbevölkerung und bei Menschen mit niedrigem Schulabschluss Bedeutung

Besonders wichtig nehmen die Deutschen den deutschen Papst offenbar nicht. Nach einer repräsentativen Meinungsumfrage von TNS Emnid im Auftrag der Bertelsmann Stiftung interessiert auch kaum jemanden, was der Papst zu sagen hat, auch wenn er im Bundestag reden darf. 76 Prozent der Befragten zeigen Desinteresse, selbst 58 Prozent der Katholiken erklären, es sei "nicht wichtig, was der Papst sagt". Bedeutung haben die Äußerungen des katholischen Kirchenoberhaupts am ehesten noch bei Senioren, in der Landbevölkerung und bei Menschen mit niedrigem Schulabschluss. Das müsste für den Stellvertreter Gottes auf Erden ernüchternd sein.

Überhaupt sind die Deutschen nicht sonderlich religiös. Nur 16 Prozent halten sich für sehr (6%) oder ziemlich (10%) religiös, mittelreligiös sind 35 Prozent, wenig 26 Prozent, gar nicht religiös 23 Prozent. Das interpretiert man beim Religionsmonitor der Bertelsmann Stiftung so, dass die kirchliche Bindung weiter nachlässt, aber die religiöse Identität konstant bleibt. Bei den mittel oder wenig Religiösen darf man allerdings vermuten, dass die religiöse Identität nicht besonders ausgeprägt ist.

Die Deutschen haben keine großen Erwartungen an den Besuch von Papst Benedikt XVI. 53 Prozent gehen davon aus, dass der Aufenthalt des Oberhauptes der katholischen Kirche in Deutschland keine entscheidenden Impulse bringen wird. Nur 41 Prozent rechnen dagegen mit konkreten Ergebnissen. Zudem ergibt die Umfrage, dass die kirchliche Bindung weiter abnimmt, die religiöse Identität hingegen bleibt konstant. Das zeigt eine repräsentative Meinungsumfrage von TNS Emnid im Auftrag der Bertelsmann Stiftung.

Ziemlich realistisch wohl erwarten sich 53 Prozent vom Papstbesuch keine Veränderungen. Manche glauben, dass sich die Beziehungen zwischen Katholiken und Protestamten, schon weniger die zwischen Katholiken, Protestanten und Muslimen verbessern wird.

Zwar würden sich 71 Prozent eine Öffnung und Liberalisierung der katholischen Kirche wünschen, aber dass Benedikt einen Schritt in diese Richtung gehen wird, erwarten nur 34 Prozent. 37 Prozent gehen eher davon aus, dass er weiterhin konservative Positionen verstärken wird. Zufrieden mit dem Zustand der Kirche sind sowieso nur 11 Prozent. Ebenso viele würden sich einen Rückschritt auf die ursprünglichen Traditionen wünschen. Bedenklich mag stimmen, dass dies bei den jungen Menschen ausgeprägter zu sein scheint.

Während die über 30-Jährigen mit 70-82 Prozent stärker für eine Öffnung plädieren, tun dies bei den 14-29-Jährigen nur zwischen 45 und 58 Prozent. Das könnte man auch auf eine größere Gleichgültigkeit zurückführen, wenn nicht auch deutlich mehr junge Menschen als ältere meinen, die Kirche solle so bleiben, wie sie ist, und auch mit 14 Prozent überdurchschnittlich viele in dieser Altersgruppe sagen, die katholische Kirche solle sich auf die eigenen Traditionen zurückbesinnen. Möglich wäre also, dass sich der Bedeutungsschwund der katholischen Kirche mit einem stärker werdenden Fundamentalismus der verbleibenden stark Religiösen verbindet.

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