Was man halt so findet

Gebrauchsanweisung gefunden – hört auf den Namen "Z4"

Stell Dir vor, Du hast einen großen... einen sehr großen Computer. Einen, der mit seinen Holztäfelungen an der Seite wirklich chic aussieht. Und man ahnt es schon anhand der verwendeten Gestaltungselemente: Der Computer ist nicht mehr der jüngste. Streng genommen ist es der einzige noch intakte der ersten Generation. Denn er wurde von Conrad Zuse gebaut, heißt "Z4" und steht heute im Deutschen Museum in München.

So weit, so gut. Allerdings musst Du Dir auch vorstellen, dass der Computer, wenn er denn nach dem Einschalten noch seine Relais in Schwung bringen könnte (das ist bei den Dingern von Zuse nicht immer der Fall gewesen), dass er vielleicht in seiner Funktionsweise nicht mehr ganz eindeutig nachzuvollziehen sein wird. Da wirst Du Dich vielleicht fragen, was denn da so kompliziert sein könnte, schließlich wird der ja wohl nicht versuchen, plötzlich Kaffee zu kochen, deutsche Kinderlieder aus dem Dritten Reich zu singen oder das Geschirr wegzuräumen. Nein, auch ein Z4 hat vor allem einmal das Rechnen gelernt. Aber wie und warum er was rechnet, das ist vielleicht nicht mehr so nachvollziehbar, wenn man eigentlich vor allem mit Windows seinen Umgang pflegt - oder mit OS14.

Da wirst Du Dir sagen, na, das ist doch kein Problem, schauen wir halt in der Gebrauchsanweisung nach. Und siehe da, plötzlich wird Dir klar: Du hast gar keine. In München, im Deutschen Museum. Da ist der Ärger natürlich vorprogrammiert.

Aber ausnahmsweise kann man jetzt an Deiner Stelle den Schweizern dankbar sein. Die heben ja bekanntermaßen alles auf. Nazigold, Käse, Geld aber auch Gebrauchsanweisungen. Und so wurde man an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich fündig und hat so ein Dokument aus dem Archiv ausgegraben. Wie schön. In der Schweizer Stadt am schönen Zürcher See stand die "Z4" tatsächlich einmal und half bei der Entwicklung eines heimischen Düsenjägers. Und sie ist das Modell gewesen, das Konrad Zuse tatsächlich selbst gebaut, auch eben mit diesem Dokument beschrieben hat.

Und hier muss man Herrn Zuse Respekt zollen: Es ist der Rechner gewesen (es gibt ihn leider nicht mehr, jedenfalls ist er noch in keinem Schweizer Bankschließfach wieder aufgetaucht), den die Nazis für die Berechnung von V2-Ballistik in ein Konzentrationslager stellen wollten. Stattdessen hat Zuse diese "Z4" in einem Feldstadel versteckt und sie nach dem Krieg in die Schweiz verkauft.

Das dokumentiert diese Gebrauchsanweisung leider nicht. Sie hat kein Kapitel "wie man Computer vor Diktaturen und dem Militär versteckt", obwohl das vielleicht sogar das spannendste von allen gewesen wäre. So aber kann man zumindest das Ding in München wieder verstehen lernen. Das ist doch schon mal was.