Weapons of Mass Deception

Belog Colin Powell bewusst die UNO?

15 Jahre ist es nun her, dass US-Außenminister Colin Powell am 5. Februar 2003 vor dem Weltsicherheitsrat der UNO eine infame Multimedia-Show abzog und vollmundig Graphiken mit „rollenden Labors“ zur angeblichen Herstellung von Massenvernichtungswaffen auftischte. Zumindest der US-Öffentlichkeit und ihren Starreportern genügte diese psychologische Operation, um sie für den Irakkrieg zu begeistern. Doch in der Wüste fand man keine Bedrohung, welche den grausamen Krieg um Bodenschätze hätte erklären können. Heute unstreitig war die Story eine staatliche Verschwörungstheorie, in welcher insbesondere der deutsche Bundesnachrichtendienst eine unrühmliche Rolle spielte.

Nicht der Irak hatte Massenvernichtungswaffen - sehr wohl aber die Kreuzritter aus der Neuen Welt. Am effizientesten im Arsenal waren Powells Lügen, die Hunderttausende das Leben und ihre Gesundheit kosteten. Die ohne Perspektive geführte Invasion destabilisierte eine Region und gebar den Islamischen Staat, der praktischerweise einen immerwährenden Krieg gegen die Arabische Welt rechtfertigt.

Nach seinem Ausstieg aus der Politik 2005 bezeichnete Powell seine spektakuläre Märchenstunde vor der UNO als einen Schandfleck, wollte aber in gutem Glauben gehandelt haben. Alles sei nur ein schrecklicher Irrtum gewesen. Doch war der mit Kriegslisten erfahrene Vier-Sterne-General wirklich so naiv, im Weißen Haus aufgesextes Geheimdienst-Material so kritiklos akzeptiert zu haben? Jeder Zivilist kann die Geschichte von Kriegslügen in Philip Knightleys Standard-Werk The First Casualty nachlesen – nahezu jeder Krieg der Weltgeschichte wurde mit vorgetäuschten Motiven verkauft.

Nun aber hat die investigative Publikation The Intercept etwas genauer recherchiert. Während sich Powell nach außen hin als von Saddams Nuklearwaffen überzeugter Bush-Krieger gab, war er in Wirklichkeit sehr wohl skeptisch. Seine professionellen Zweifel hinderten den US-Außenminister jedoch nicht, etwa abgehörte Konversation verzerrt zu interpretieren und entlastendes auszulassen, was das Narrativ hätte stören können. Im Detail nimmt The Intercept Powells Lebenslüge(n) auseinander. Tatsächlich war Powell keinen Deut besser als der sinistre Taktierer Donald Rumsfeld.

Juristische Konsequenzen haben die staatlichen Lügen weder für Powell noch für andere US-Amerikaner. In Deutschland wurde inzwischen vorsichtshalber der Straftatbestand "Vorbereiten eines Angriffskriegs" aus dem Strafgesetzbuch entfernt. Der nächste Krieg darf kommen, und erforderlichenfalls auch wieder von deutschem Geheimdienstboden ausgehen. Es sieht auch nicht danach aus, dass etablierte Medien Narrative und Propaganda kritischer würdigen als vor 15 Jahren.

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