Weniger Geburten in Deutschland

Neueste Zahlen des statistischen Bundesamtes entzaubern den "magischen Fruchtbarkeitsfaktor" Elterngeld

Das Land braucht Nachwuchs. Folgerichtig also, dass Mitte Februar manche Medien mit Ministerin von der Leyen frohlockten , als diese der Bild am Sonntag mitteilte, dass 2007 12.000 Kinder mehr als 2006 geboren wurden. Dieser Trend habe sich laut Ministerin im Jahr 2008 gehalten, nachdem bis September 3.400 Kinder mehr geboren wurden als im Vorjahr. Dass man aus der Nachricht mit relativ geringen Zuwachszahlen einen Trend macht - im Sinne von "Deutschland wächst wieder" - ist eine Übertreibung, die angesichts der jahrelang verbreiteten Schreckensmeldung vom Aussterben der Deutschen nachvollziehbar ist. Der nächste Schritt - den geringen Anstieg der Geburtenzahl als Erfolg der eigenen Politik herauszustellen, gemeint ist vor allem das Elterngeld - ist allerdings einer aufs Glatteis, insbesondere wenn die Zahlen, auf die man sich stützt, unvollständig sind und nur die neun Monate bis September 2008 abdecken.

Nachdem das statistische Bundesamt gestern die Zahlen für das ganze Jahr mitteilte, gab es eine kleine Korrektur, weil die Monate Oktober bis Dezember das Versprechen der ersten neun Monate nicht hielten, rückläufig waren und damit dem ohnehin schwachen positiven Trend den Garaus machten. In der Gesamtbilanz von 2008 kamen dann noch weniger Kinder zur Welt als die Jahre zuvor. wenn auch nur geringfügig weniger: 675.000 Geburten 2008 im Vergleich zu 683.000 zum Vorjahr.

Ein neuer Trend läßt sich daraus nicht absehen. Aber die Reaktionen mancher Medien orientieren sich prompt an dem, was von der Leyen immer als Positivfaktor herausgehoben hatte: Das Elterngeld, dessen Magie nun plötzlich geschrumpft ist - als ob man nicht schon vorher wusste, dass es eine Menge Gründe mehr gibt, die darüber entscheiden, ob ein Paar Kinder haben will oder nicht (zum Beispiel wie sich das Chaos mit der Ordnung der Arbeitswelt verträgt).

Das Elterngeld hat nur begrenzten Einfluss auf die Lust aufs Kind, das spiegelt sich in den neuen Zahlen des Statistikamtes. Das Ergebnis legt nahe, was schon länger von denen gefordert wird, die nicht zum begünstigten Kreis, auf die das Elterngeld zugeschnitten ist, gehören: Einen scharfen Blick auf Ungerechtigkeiten der Neuregelung - ein Blick jenseits der vom Familienministerioum sehr geschickt lancierten Euphoriewellen, mit der das Gesetz seit Inkrafttreten 2007 in vielen Medien gefeiert wird (kein Wunder richtet es sich ja vor allem an jenen Personenkreis, der in den Medien öfters anzutreffen ist: gut bezahlte Akademiker zwischen 30 und 40).

Eine Erfolgsstory ist das neue Elterngeld nur für eine relativ kleine Schicht. Von seiner Wirkung darf man sich deswegen auch nicht zuviel erwarten.

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