Wenn es um gesunde Lebensführung geht, ist die Selbsttäuschung hoch

Britische Wissenschaftler haben nachgemessen, wie viel die Menschen sich wirklich bewegen.

Dass Selbsteinschätzung und Wirklichkeit weit auseinander gehen können, ist jedem bewusst, auch wenn man gerne in die Falle läuft, sich selbst und andere anzuschwindeln. Die Tendenz zur Realitätsverkennung ist gerade wieder durch den Bericht Health Survey for England 2008 des britischen National Centre for Social Research (NCSR) belegt geworden. Die Angaben, die Menschen machen, wie oft und wie lange sie sich sportlich betätigen, weichen erheblich von dem ab, was sie wirklich machen.

Das britische Gesundheitsministerium empfiehlt, eine gemäßigte sportliche Betätigung von einer halben Stunde an 5 Tagen in der Woche, die Kinder sollten dies täglich eine Stunde lang machen. Auch das deutsche Gesundheitsministerium hat eine Kampagne gestartet und fordert die Menschen zur gesundheitlichen Prävention vor Übergewicht und Herz-, Kreislaufproblemen auf, als Anfang schon mal täglich 3000 Schritte oder 2,4 km oder eben eine halbe Stunde bis 45 Minuten jeden zweiten Tag mehr zu gehen und überhaupt seine Gewohnheiten so umzustellen, dass mehr körperliche Bewegung erfolgt, indem man beispielsweise Lifte vermeidet oder schlicht öfter mal und weiter als gewohnt geht.

Und weil eigentlich jeder weiß, dass körperliche Bewegung dem Körper und der Gesundheit gut täte, neigen manche auch dazu, sich die ausreichende Selbstsorge auch zuzuschreiben. Nach einer Umfrage des britischen Gesundheitsministeriums gaben so 39 Prozent der Männer und 29 Prozent der Frauen über 16 Jahre an, dass sie die Minimalforderung erfüllen würden. Die Wissenschaftler des NCSR haben die Angaben überprüft, indem sie einer repräsentativen Auswahl an Personen einen Akzelerometer gegeben haben, mit eine Woche lang die Bewegungsaktivität erfasst werden konnte. Danach haben sich nur 6 Prozent der Männer und 4 Prozent ausreichend bewegt und die Minimalanforderungen des Ministeriums erfüllt.

Am ehesten kommen noch die jüngeren Menschen dem nach, nämlich 11% der Männer und 8% der Frauen im Alter von 16-34 Jahren, dann fällt die körperliche Aktivität kontinuierlich ab. Bei den Kindern und Jugendlichen von 4-15 Jahren gaben 31 Prozent der Jungen und 22 Prozent der Mädchen an, sie würden die Empfehlung des Gesundheitsministeriums erfüllen. Das scheint ziemlich realistisch zu sein, was auch bedeuten könnte, dass die Selbsttäuschung auch mit dem Alter zunimmt. Allerdings gibt es einen drastischen Unterschied zwischen den Jüngeren und Älteren, wenn die tatsächliche Aktivität gemessen wird. Die Hälfte der Jungen und ein Drittel der Mädchen bewegt sich noch nach den Empfehlungen, im Alter von 11-15 machen dies nur noch 7 Prozent der Jungen, während körperliche Aktivität bei den Mädchen mehr oder weniger ausfällt.

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