Wer bezahlt den Rückbau der deutschen Kernkraftwerke?

Möglicherweise kommt auf den deutschen Steuerzahler ein bodenloses Fass zu

War in der Vergangenheit darüber geklagt worden, dass die Kosten der bis heute nicht geregelten Endlagerung von Atommüll aufgrund der gigantischen Zeiträume jede Vorstellung sprengen und es nicht einmal eine brauchbare Idee gibt, wie das Wissen über ein solches Endlager und seine Gefährlichkeit den kommenden Generationen mitgeteilt werden könnte, ist jetzt nicht einmal mehr die Übernahme der Kosten für den Abriss der Kernkraftwerke durch die Betreiber gesichert.

Wie die Süddeutsche Zeitung meldet, sollen die in Deutschland tätigen Energiekonzerne etwa 38 Milliarden Euro für den Rückbau der Kernkraftwerke und die Endlagerung zurückgelegt haben. Dieses Geld ist jedoch nicht abrufbar auf einem Konto angelegt, sondern in Firmenbeteiligungen und Kraftwerksanlagen investiert. Wird das Geld zu Finanzierung der Rückbaukosten benötigt, müssen diese Gelder erst durch Verkauf der jeweiligen Objekte realisiert werden.

Aus einem aktuellen Gutachten, das im Auftrag der Grünen erstellt wurde, zitiert die Süddeutsche in ihrem Beitrag die Professoren Wolfgang Irrek und Michael Vorfeld von der Hochschule Ruhr West (HRW) wie folgt:

"Sowohl bei Eon als auch bei RWE ist festzustellen, das die vorhandene materielle Substanz derzeit höchstens annähernd ausreicht, um die Gesamtheit langfristiger Verpflichtungen decken zu können."

Das könnte bei den Energieversorgern EnBW und Vattenfall ähnlich sein - wobei bei Vattenfall die haftungsrechtlichen Bande zur schwedischen Muttergesellschaft schon gekappt sind, so dass auf das Vermögen des staatlichen Mutterkonzerns im Bedarfsfalle nicht mehr zugegriffen werden könnte.

Da die Geschäftsmodelle der vier großen deutschen Energieversorger derzeit und absehbar wenig ertragsreich sind, könnte die verwertbare Substanz im Bedarfsfalle nicht mehr ausreichend sein, um den KKW-Rückbau zu finanzieren.

Wer jetzt allerdings fordert, dass die für den Rückbau der Überbleibsel der atomaren Stromerzeugungsepisode in Deutschland vorgesehenen Gelder in einen entsprechenden Entsorgungsfonds eingebracht werden sollen, hat die Problematik nicht wirklich verstanden: Eine rein buchhalterische Verschiebung der entsprechenden Rückstellungen in einen Fonds würde zwar die Substanz der kriselnden Energiekonzerne weiter schwächen, könnte einen Wertverfall der jeweiligen Anlagen jedoch nicht verhindern. Zudem müsste auch ein Entsorgungsfonds die Anlagen verkaufen können, damit er das Geld für den Abbau der Kernkraftwerke bereitstellen könnte.

Dass hier der Steuerzahler in die Pflicht genommen wird, dürfte das wahrscheinlichste Szenario sein. Möglicherweise werden die Kosten auch den Haushaltsstromkunden zugeschoben, weil man die industriellen Stromkunden im Interesse der Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland nicht belasten will.