Werbung weckt schlafende Hunde

Außer Kontrolle

Wer mit seinem Hund vor einiger Zeit Gassi ging, konnte sich unter Umständen über das seltsame Verhalten des Vierbeiners vor einem Werbeplakat wundern. Jetzt wird der Vierbeiner dafür munter, wenn er es gar nicht sein soll.

Kreativer in der Werbebranche zu sein, ist allem Anschein nach kurzweilig. Selbst die schrägsten Ideen werden noch aufgegriffen, umgesetzt und als "innovativ und kreativ" bejubelt, selbst wenn sich diejenigen, die davon hören, etwas fassungslos an den Kopf fassen und fragen, wer denn auf diese Schnapsidee gekommen ist.

Ein Beispiel hierfür waren vor zwei Jahren die sogenannten Duftplakate (als Ergänzung zu dem Link habe ich noch einen weitern Link zum Thema Duftplakate eingefügt, der auf den "Focus" weist - Anmerkung des Autors), die ein Futtermittelhersteller wohl für kreativ hielt. Die Plakate, auf denen für Hundefutter geworben wurde, wurden regelmäßig mit speziellen Duftstoffen eingesprüht, die den Vierbeiner dann zum Plakat locken sollten. So, hoffte man jedenfalls, würde dann der Tierbesitzer auch auf die Werbung aufmerksam werden und hoffentlich bei eben diesem Futter zugreifen. Das Resultat waren genervte Hundefreunde, die sich über den Vierbeiner wunderten, der während seiner täglichen Lektüre (das Schnüffeln auf dem Weg ist für Hunde wie das Lesen der Tageszeitung: Gibt es neue Hunde in der Gegend? Waren alte Freunde wieder dagewesen? Was gibt es sonst Neues?) plötzlich vor der Litfasssäule oder der Plakatwand stand, wild herumschnüffelte und sich teilweise nur mit recht rigiden Mitteln vom Plakat wegziehen ließ.

Ähnlich den modernen Werbemethoden aufgeschlossen zeigt sich der gleiche Futtermittelhersteller derzeit mit seiner Fernsehwerbung. Die erste Werbung für Frauchen/Herrchen und den Hund soll mit mehreren Tönen, die Hunde interessieren, auch den Vierbeiner auf die Werbung aufmerksam machen. Insbesondere der für menschliche Ohren unhörbare Hochfrequenzton soll das Interesse des Vierbeiners wecken und ihn möglichst vor den Fernseher locken.

Wer sich diese "tolle Idee" hat einfallen lassen, hat garantiert selbst weder Hund noch Katze. Zwar reagieren nicht alle Hunde auf die in der Werbung enthaltenen Töne, doch die Hunde, die es tun, schrecken auch schnell aus dem Schlaf hoch und das Interesse macht sich durch lautes Bellen und Schweifwedeln bemerkbar. Für diejenigen, die mit dem Tier in einem Raum schlafen und sich gerade darüber freuen, dass der Hund eingeschlafen war, eine nervige Angelegenheit. Gleichermaßen wirken die Töne auf manche Katze, die irritiert das Weite sucht und sich verschreckt zeigt.

Man mag zu Haustierhaltung stehen wie man möchte und das Ganze mit "Wenn das Vieh halt im selben Raum schläft: Pech gehabt" abhandeln, doch stellt sich die Frage, was sich die Werbestrategen eigentlich gedacht haben. Der Idealzustand, nämlich dass der Tierhalter interessiert schaut, um welche Werbung es sich handelt und demzufolge beim nächsten Einkauf genau das beworbene Futter kauft, dürfte schon deshalb nicht eintreten, weil ja seitens des Hundes keine Verknüpfung mit einem speziellen Hundefutter stattfindet, ihm ist es egal, ob nun dieses oder ein anderes Futter im Napf landet. Dem Tierbesitzer hingegen wird es wahrscheinlich nicht interessieren, ob der Vierbeiner nun kurz vor dem Fernseher landet, oder er wird, wie in den beschriebenen Fällen, eher davon entnervt sein.

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