Werden die künftigen Generationen im Alter kränker als die vorhergehenden?

Wieder scheint eine Studie nahezulegen, dass wir den Gipfel des gesundheitlichen Fortschritts überschritten haben könnten

Seit mehr als 100 Jahren werden die Menschen in den reichen Industrieländern immer älter. Pro Jahrzehnt ist hier die Lebenserwartung um 2,5 Jahre angestiegen. Bislang blieben sie auch länger gesünder. Es gibt allerdings Hinweise darauf, dass der Gipfel des Fortschritts überschritten sein könnte und die kommenden Generationen möglicherweise kränker sein, vielleicht auch wieder früher sterben könnten ( Ende des gesundheitlichen Fortschritts?; Beginnt die Lebenserwartung wieder zu sinken?).

Wissenschaftler von der Rand Corporation und der University of Michigan haben nun auch einen solchen Trend bei der Auswertung des landesweiten erhobenen National Health Interview Survey festgestellt, wie sie in ihrem Beitrag für die Zeitschrift Health Affairs berichten. Zwischen 1997 und 2007 hat die Zahl der Menschen mit Mobilitätsbehinderungen zugenommen, während bislang bei den über 65-Jährigen ein Rückgang zu beobachten war. Der Grund, warum die Altersgruppe der 50-64-Jährigen stärker behindert sind oder auch Hilfe benötigen, um beispielsweise aufzustehen, ist nicht bekannt. Viele der Befragten sagen, dass ihre Gesundheitsprobleme bereits im 3. oder 4. Lebensjahrzehnt begonnen hätten.

Zwar sei mit 2 Prozent die Zahl derjenigen, die auf Pflege angewiesen sind, relativ gering angestiegen, aber die die Zunahme der Behinderungen oder Einschränkungen sei doch besorgniserregend. Mehr als 40 Prozent aus der Altersgruppe der 50-64-Jährigen berichteten, dass sie aufgrund gesundheitlicher Probleme eine oder mehrere von neun körperlichen Tätigkeiten (z.B. 10 Stufen ohne Rast zu steigen, 500 m zu gehen, 2 Stunden zu stehen, sich zu bücken etc.) nicht mehr ausführen können. Die Notwendigkeit, Hilfe in Anspruch nehmen zu müssen, wurde 1997-2007 vorwiegend auf Rücken- und Halsprobleme, Diabetes, Depressionen, Angst oder emotionalen Problemen zurückgeführt. Zwischen 2005 und 2007 kamen noch Arthritis und Rheuma dazu.

Es könnte sein, dass der Anstieg der gesundheitlichen Probleme auch dadurch zu erklären wäre, dass die Sensibilität dafür größer oder dass die medizinische Behandlung besser wurde, so dass nun Menschen, deren gesundheitlichen Probleme früh beginnen, einfach länger leben. Es könnte aber auch sein, dass sich die Gesundheit der Menschen verschlechtert. Auf jeden Fall, so Richard Suzman vom National Institute on Aging, das die Studie in Auftrag gegeben hat, dürfte dieser Trend weitreichende Folgen haben: "Wenn Menschen bereits solche Schwierigkeiten im mittleren Alter haben, wie können wir dann erwarten, dass diese Altergruppe – die jetzigen Baby Boomers – im fortgeschrittenen Alter für sich selbst sorgen können?" Der Pflegebereich müsste weiter ausgebaut werden, was die sozialen Systeme erheblich belasten würde.

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