Wie man Aufstiegschancen verbaut

Nur 11 Prozent der arabischen Israelis schaffen es aufs College

Nicht weniger als vierzehn Hürden hat das Zentrum für Fortschritte der höheren Schulbildung in der arabischen Gesellschaft, Hirak ausgemacht, die israelischen Arabern den Weg zur College-Ausbildung und damit zu besserem Status und mehr Chancen auf dem Arbeitsmarkt verstellen. Damit "übertrumpft" es, nach einem Bericht der Zeitung Ha'aretz die Zahl der Hürden, die das israelische Council for Higher Education im Rahmen eines Programmes zur Förderung von Minderheiten ausgemacht hatte, um das Doppelte. Im Gegensatz zu diesem habe man sozioökonomische Faktoren stärker berücksichtigt, so die Begründung von Hirak.

Die Zahlen der israelischen Araber, die auf einem College in Israel angenommen werden, sind bescheiden. Es machen nur 11 Prozent der arabischen Staatsbürger Israels aus. Und nur 10 Prozent davon schaffen einen Bachelor-Abschluss. 30 Prozent der Bewerber werden abgewiesen, 15 Prozent der angenommenen brechen das College schon im ersten Jahr ab. Lediglich 12 Prozent schaffen den Abschluss in der dafür vorgesehenen Zeit. Bei den jüdischen Studenten sind es 53 Prozent. Auch bei den Bewerbungen für den Master-Abschluss oder die Promotion werden doppelt so viele israelische Araber abgelehnt als jüdische Studenten. Die arabischen Staatsbürger Israels stellen gerade mal 8,2 Prozent der Master-Studenten und 4,4 Prozent der Promovierenden.

Als hauptsächliches Hindernis für größeren Schulerfolg gibt Hirak die Armut an. Die Hälfte der arabischen Familien und zwei Drittel der arabischen Kinder würden unter der Armutsgrenze leben. Der Abbruch der Schule erfolge häufig aus finanziellen Gründen. Doch wird auch am arabischen Schulsystem Kritik geübt. Es sei so schlecht, dass insgesamt nur 23 Prozent der Schüler die Voraussetzungen für einen College-Besuch mitbringen, bei den jüdischen Schülern liege der Vergleichswert bei 47 Prozent.

Interessant ist, was Hirak, bei den Mängeln hervorhebt: Das arabische Schulsystem würde kritisches Denken und analytische Fähigkeiten nicht besonders fördern. Die Vorbereitungsprogramme, welche das israelische Council for Higher Education zur Verfügung stelle, werde nicht genutzt. Was aber auch daran liege, dass diese meist weiter entfernt von arabischen Wohngebieten abgehalten werden, durch schlechte öffentliche Transportsysteme nur schwer zu erreichen seien und in der arabischen Community obendrein nicht gut beleumdet sind.

Auch andere Punkte, die Hirak anführt, lassen die selbstverursachten Mängel nicht unter den Tisch fallen. Die Ausbildung an arabischen Schulen zeichnet sich nicht gerade dadurch aus, dass sie die Bedingungen, die man in Israel vorfindet, akzeptiert und sich darauf einstellt. So sind mangelnde Kenntnisse des Hebräischen (Iwrit) ein weiterer Hindernisgrund für viele arabische Schüler weiterzukommen. Aufnahmegespräche an Colleges, die in Hebräisch gehalten werden, gelten ebenfalls als Hindernis, wie auch dass die Unterricht in dieser Sprache gehalten wird. Angeführt wird aber auch, dass es kaum Lehrbücher in Arabisch gibt. In diesem Bereich wäre wahrscheinlich mit Eigeninitiative schon einiges zu erreichen.

Anders sieht es aus, wenn es um Studentenwohnungen, den Anschluss an das öffentliche Verkehrsnetz, Stipendienvergaben und Aussichten auf dem Arbeitsmarkt geht. Hier sind Vorurteile gegenüber arabischen Bewerbern bzw. den Bewohnern arabischer Wohnviertel am Werk, die ihre eigenen Voraussetzungen zementieren. Dafür braucht es Anstrengungen der israelischen Gesellschaft, eingefahrene Wege zu verlassen und die Chancen ihrer arabischer Mitbürger nicht zu verbauen.

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