Wie schlimm ist es wirklich?

Dramatische Stunden in Griechenland

Wie Samstag nachmittag überraschend bekannt wurde, hat der griechische Premier Giorgos Papandreou seine Reise nach New York zur UNO abgebrochen. Von London aus kehrte der Premier nach einem Telefonat mit dem griechischen Finanzminister Evangelos Venizelos eiligst zurück nach Athen. In einer offiziellen Verlautbarung des Pressebüros Papandreous heißt es wie üblich langatmig und verschachtelt:

"Weil die kommende Woche besonders kritisch ist für die Ausführung der Beschlüsse des 21. Junis in der Eurozone und die Initiativen, die das Land ergreifen muss, hat Premier Giorgos A. Papandreou beschlossen, seine geplante Reise in die USA aufzuschieben."

Gerüchte bringen diese Entscheidung mit der jüngsten Entwicklung zur Zahlung der sechsten Kredittranche an Griechenland in Verbindung. Diese soll nach jüngsten Informationen erst nach dem 15. Oktober erfolgen. Für die Aufrechterhaltung der Staatsaufgaben hat Griechenland jedoch gemäß einer offiziellen Verlautbarung von Finanzminister Venizelos maximal nur noch für die ersten zwei Wochen im Oktober Geld.

Derweil wurde die Rückkehr der IWF-EU-EZB-Prüfer ins Land erneut, zum nunmehr dritten Mal, auf den kommenden Mittwoch verschoben. Die Prüfer hatten Anfang September das Land fluchtartig verlassen und ihre periodische Inspektion der griechischen Wirtschaftspolitik abgebrochen. Sie monierten seinerzeit, dass die griechische Regierung mit all ihren Versprechungen erheblich in Rückstand stünde, und deuteten eine Rückkehr nur für den Fall entsprechender Maßnahmen der Regierung an. Eine dieser Maßnahmen ist die Erhebung einer drastischen Immobiliensonderabgabe, bis zu 16 Euro pro Quadratmeter. Seit diese verkündet wurde, hat sich mehr und mehr herausgestellt, dass die Mehrheit der Griechen diese Abgabe nicht zahlen kann.

Beobachter und Parlamentarier rechnen damit, dass Papandreou versuchen wird, im letzten Moment eine Einigung mit den Oppositionsparteien zu erzielen. Die Zeichen dafür stehen jedoch schlechter denn je. Da der USA-Besuch der Premiers auch in Verbindung eines gemeinsamen Treffens Papandreous mit dem amerikanischen Präsidenten Obama, dem türkischen Premier Erdogan und dem zypriotischen Präsidenten Christofias steht, wird dem Abbruch der Mission eine besondere Dramatik zuteil. Die Türkei, Griechenland, Zypern und Israel bedrohen sich derzeit gegenseitig sehr lautstark. Streitpunkt sind Ölfelder in der Ägäis.

Unter diesem Aspekt rechnen die Griechen nun mit der baldigen Verkündung des offiziellen Staatsbankrotts.

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