WikiLeaks: Edward Snowden hat in Deutschland um Asyl angefragt

In der Liste mit möglichen Zufluchtsorten befinden sich auch Österreich und die Schweiz

Einer Meldung der Whistleblower-Plattform WikiLeaks zufolge fragte die britische Jounalistin Sarah Harrison, die den Prism- und Tempora-Whistleblower Edward Snowden begleitet und juristisch berät, am Sonntagabend bei mehreren Ländern um Asyl für den 30-jährigen Amerikaner nach. Die heute Morgen getwitterte und nicht vollständige Liste enthält neben Venezuela, Bolivien, Nicaragua, Kuba, Brasilien, China, Indien, Russland, Finnland, Frankreich, Spanien, Italien, Irland, Holland, Norwegen und Polen auch Deutschland, Österreich und die Schweiz.

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Die Anfrage bei den Eidgenossen ist insofern überraschend, als letzte Woche sieben Jahre alte Chat-Protokolle geleakt wurden, in denen Snowden die Schweiz, in der er sich damals als Attaché der US-Botschaft bei den Vereinten Nationen aufhielt, zwar grundsätzlich "amazing" findet, sich aber abfällig über Preise (zu hoch), Essen ("wie fettiger Karton"), Straßen (zu schmal), Frauen (zu flachbrüstig) und Einwohner der Eidgenossenschaft allgemein äußert, weil diese Landfahrer diskriminieren und sogar untereinander auf sich herabsehen würden. Objektiv problematischer als die in schweizerischen Boulevardmedien kritisch aufgenommenen Äußerungen könnte der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) zufolge sein, dass ihm wegen seiner damaligen Geheimdiensttätigkeit ein Strafverfahren droht.

Die am Sonntag abgegebenen schriftlichen Asylgesuche enthalten WikiLeaks zufolge detaillierte Informationen zu Risiken, die Snowden in den USA drohen, und wurden den russischen Behörden im Moskauer Scheremetjewo-Flughafen überreicht, in dessen Transitbereich sich der Whistleblower angeblich seit über einer Woche aufhält. Diese leiteten sie an die Botschaften der jeweiligen Länder weiter. In Ecuador (und der neuen WikiLeaks-Meldung nach auch in Island) hatte Snowden bereits kurz nach seiner Ausreise aus Hongkong Asyl beantragt. Darauf hin begann die US-Regierung, diplomatischen und wirtschaftlichen Druck auf Ecuador auszuüben.

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