Wind gegen Atom in Schottland

Doch der republikanische US-Präsidentschaftskandidat Trump nennt Windparks "staatlichen Vandalismus"

In Großbritannien, vor allem in England, wird weiter auf Atomenergie gesetzt, wobei dieses Ansinnen heute einen Dämpfer bekommen könnte. Denn der hoch verschuldete französische Staatsbetrieb EDF will definitiv über das extrem teure Kraftwerk in Hinkley Point entscheiden. Auch im Konzern ist das extrem teure Projekt sehr umstritten, da es unklar ist, ob die EDF die Investitionen stemmen kann, die auf 23 Milliarden Euro beziffert werden.

Da es sich um den neuen EPR handelt, dürften sich die Kosten ohnehin noch deutlich erhöhen. Das kann man schon im französischen Flamanville oder im finnischen Olkiluoto sehen. Dort haben sich die Kosten sogar schon mehr als verdreifacht. Das Projekt hängt wegen vielen Problemen schon neun Jahre hinter dem Zeitplan hinterher und sogar eine endgültige Aufgabe ist schon im Gespräch.

Um eine zuverlässige Versorgung mit Strom zu sichern, geht zum Beispiel der große Energiekonzern Iberdrola seit Jahren andere Wege. Das baskische Unternehmen, das selbst noch an spanischen Atommeilern beteiligt ist, geht nämlich davon aus, dass "Atomkraftwerke wirtschaftlich nicht tragbar sind". Deshalb baut die Firma auch in Schottland massiv Windkraft aus, die weltweit bei Windstrom führend ist, um auch England mit erneuerbaren Strom versorgen zu können.

Schon 2007 hat Iberdrola die schottische ScottishPower für 17,2 Milliarden Euro gekauft. In Schottland baut man angesichts der guten Windverhältnisse neue Windparks oder erweitert bestehende. Dort hat man das Ziel, im Jahr 2020 den gesamten Strom aus erneuerbaren Quellen zu decken. Iberdrola ist an der Umsetzung stark beteiligt. Im gesamten Königreich will die Firma zwischen 2016 und 2020 jeweils mehr als 1,4 Milliarden Euro pro Jahr investieren, ein guter Teil der etwa 8,4 Milliarden Euro entfallen auf Schottland. Schon jetzt ist ScottishPower der größte Windstromproduzent im Königreich.

Zu den Projekten gehört das in South Ayrshire. Im Aufbau sind dort derzeit drei Windparks mit einer Leistung von 500 Megawatt (MW), die im kommenden Jahr ans Netz gehen werden. In Whitelee wurde der Windpark unweit von Glasgow schon zum größten Windpark des Königreichs ausgeweitet, wo inzwischen 539 MW Windstromleistung angeschlossen sind. Um den erneuerbaren Strom aus neuen Windanlagen auch nach Wales und England leiten zu können, gibt es das Projekt "Western Link".

Es wird von National Grid and ScottishPower vorangetrieben Dazu gehört ein fast 400 Kilometer langes Unterseekabel, um den sauberen Strom aus Hunterston aus Schottland nach Deeside in Wales zu leiten. Eine Milliarde Pfund werden dafür veranschlagt. Deeside liegt direkt an der Grenze zu England und nicht weit von Liverpool entfernt. Die Übertragungsleistung zwischen Schottland und dem Rest des Königreichs wird damit um 50% erhöht.

Übertragen werden können darüber 2,2 Gigawatt für etwa zwei Millionen Einwohner. Das ist etwa die vierfache Menge, die Liverpool benötigt, und etwa zwei Drittel der Leistung von Hinkley Point. Das gilt nur, sollte mit dem Bau jemals angefangen oder er real fertiggestellt werden würde, sollte sich die EDF doch noch - gegen alle Vernunft - für das Projekt entscheiden. Wann diese Leistung dann vielleicht einmal zur Verfügung stehen könnte, ist angesichts der Desaster in Flamanville und Olkiluoto aber völlig unklar.

Western Link soll dagegen schon im kommenden Jahr den Windstrom nach England und Wales leiten. Das ist nötig, da der Strom aus Schottland abgeführt werden muss. Das Land konnte schon 2014 einen großen Anteil des Bedarfs allein über Windstrom decken. Probleme hat es wegen des Ausbaus der Erneuerbaren nicht, obwohl im März zudem noch aus der Kohleverstromung ausgestiegen wurde. Iberdrola, also ScottishPower, hat in Longannet 2400 Megawatt das letzte Kohlekraftwerk vom Netz genommen.

Iberdrola ist beim Ausbau von erneuerbaren Quellen in Schottland nicht allein. So baut zum Beispiel auch Vattenfall seine Kapazitäten aus. Nun bekam ein 92.4-MW-Offshore-Projekt vor Aberdeen grünes Licht. Es handelt sich zunächst um eine Test- und Demonstrationsanlage. Mit dem Bau vor der Hafenstadt soll Ende 2017 begonnen werden und schon im folgenden Jahr soll er ans Netz gehen.

Gegen die 11 Windmühlen zieht der US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump ins Feld. Weil die Windräder von seinem Luxus-Golfclub sichtbar sind, spricht er von einem "staatlichen Vandalismus", denn sie würden die Aussicht ruinieren, seien laut und gefährlich. Mit seinen Klagen ist er vor allen Gerichten gescheitert, jetzt droht er, den Ausbau der Hotelanlage zu stoppen.

Mit einer einer Mehrheit von zehn gegen sieben Stimmen hat sich die EDF-Führung heute für das Projekt entschieden.

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