Windenergie: Projekte werden zurückgestellt

Die Pläne der Bundesregierung, die Energiewende auszubremsen, sorgen für erhebliche Unruhe in der Branche

Der Angriff der Bundesregierung auf die Energiewende zeigt erste Wirkung. In Rheinland-Pfalz stehen 100 geplante Windkraftanlagen vor dem Aus, schreibt die Rhein-Zeitung unter Berufung auf die dortige Wirtschaftsministerin Eveline Lemke. 7000 Arbeitsplätze seien in ihrem Bundesland in Gefahr, warnt die Grünen-Politikerin. Die Pläne der Bundesregierung führten zu einer anderen Risikobewertung durch die Banken und entsprechend zu höheren Kreditzinsen.

Über Verunsicherung der Branche in ihrer Region berichtet auch die Schwäbische Zeitung aus Ravensburg. Der Trend werde wohl zukünftig zu mehr Selbstversorgung mit Solaranlagen gehen. Einige der befragten Fachleute zeigen sich aber zuversichtlich, dass die Pläne der Bundesregierung im Bundesrat scheitern werden.

Die Aufregung in der Branche ist jedenfalls groß. Im hohen Norden wehrt sich das Branchennetzwerk wincomm schleswig-holstein gegen "eine Deckelung des Windenergie-Ausbaus ausgerechnet in Schleswig-Holstein, wo Windstrom am günstigsten und effektivsten erzeugt werden kann". Das Land gehöre zu den weltweit besten Standorten für Windkraftanlagen. Etwas weiter im Norden, in Dänemark, wurde 2012 bereits rund 30 Prozent des Strombedarfs mit Windkraftanlagen gedeckt.

Wincomm-Vorstandsmitglied Asmus Thomsen von der nordfriesischen Volks- und Raiffeisenbank Niebüll: "Die häufig überfallartig bekanntgegebenen Änderungen zum EEG verunsichern die Branche, neue Windpark-Projekte werden aufgeschoben. Dabei hat die verlässliche EEG-Vergütung für einen Investitionsschub in ländlichen Regionen gesorgt" Und weiter: "Erneuerbare Energien bieten nicht nur sauberen Strom, sondern auch Zukunftsperspektiven und Arbeitsplätze! Wir wollen Herrn Altmaier klar machen, dass die mittelständischen Unternehmen und der ländliche Raum die Vorreiter der Energiewende sind."

Unterschiedliche Signale kommen derweil von der SPD. Laut Handelsblatt lehnt Parteichef und Ex-Umweltminister Sigmar Gabriel die von den den Grünen geforderten Einschnitte bei den Industrierabatten ab, kritisiert aber das Rösler-Atltmaier-Papier, weil es "Unberechenbarkeit und Willkür zum Markenzeichen deutscher Energiepolitik" mache. Gleichzeitig bläst der nordrhein-westfälische Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) in das gleiche Horn wie der Bundesumweltminister, auch wenn er dessen Kostenrechnung als "abenteuerlich" bezeichnet. Kurzfristige Maßnahmen müssten her, um die Kosten zu begrenzen. Man sei für Gespräche offen.

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