Windenergie: Rekordausbau 2017

Der Ausbau der Windenergie boomt, aber im nächsten Jahr ändern sich mit der Pflicht zur Teilnahme an Ausschreibungsverfahren die Bedingungen drastisch. Grünstrom deckt fast 40 Prozent des Bedarfs

Die erneuerbaren Energieträger steuern in Deutschland auf neue Rekorde zu. Zum einen wird es in diesem Jahr voraussichtlich einen neuen Spitzenwert beim Zubau von Windkraftanlagen geben. Die Bundesnetzagentur teilt mit, dass zwischen November 2016 und Oktober 2017 Anlagen mit einer Leistung von 5.516 Megawatt (MW) errichtet wurden.

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Damit lege der Ausbau erheblich über den im Erneuerbare-Energien-Gesetz vorgesehenen Deckel, weshalb ab Januar die Vergütung für Strom aus neu errichteteten Anlagen abgesenkt wird.

Die Platform renews geht davon aus, dass in diesem Jahr Windkraftanlagen mit einer Leistung zwischen 5.900 und 6.200 MW errichtet wurden. 17 Prozent davon waren allerdings Repowering-Projekte, in Schleswig-Holstein sogar 33 Prozent, bei denen alte durch neue, leistungsstärkere Anlagen ersetzt werden. Daher ist nicht klar, wie hoch der Nettozubau ist.

Nettostromerzeugung erneuerbarer Energieträger. Besonders Windstrom hat in diesem Jahr stark zugelegt. (Bild: Fraunhofer ISE)

Zum anderen ist in diesem Jahr schon jetzt deutlich mehr Strom als je zuvor erzeugt worden und zwar vor allem von Windrädern wie obige Grafik zeigt. Der Bundesverband der Energie und Wasserwirtschaft spricht in einer Pressemitteilung am Mittwoch davon, dass Sonne, Wind &Co. 2017 voraussichtlich über 36 Prozent des Bruttoverbrauchs in Deutschland abdecken. Darunter ist der Inlandverbrauch einschließlich des – nicht unerheblichen – Eigenverbrauchs der Kraftwerke zu verstehen.

Wenn man sich die Nettoproduktion anschaut, also die Stromerzeugung nach Abzug des Eigenverbrauchs der Kraftwerke, ist das Bild noch beeindruckender: Aus den Daten des Fraunhofer Instituts für Solare Energiesysteme geht hervor, dass bis zum 20. Dezember der Anteil der Erneuerbaren an der Nettoproduktion für das öffentliche Netz produzierender Kraftwerke bei 38 Prozent lag.

2016, im bisher besten Jahr, waren es noch 33,8 Prozent. Bedenkt man dann noch, dass ein nicht unerheblicher Teil der Stromproduktion exportiert wird – netto bisher in diesem Jahr knapp 50 Milliarden Kilowattstunden (Terawattstunden), dann ist das Bild sogar noch imposanter.

Dann kommt man nämlich zu dem Ergebnis, dass die Erneuerbaren bereits rechnerisch etwas über 40 Prozent des inländischen Strombedarfs abdecken.

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Stromerzeugung in den letzten Tagen. Der Anteil der Erneuerbaren lag zusammen meist bei nur knapp 20 Prozent. Trotzden wurde allerdings mehr Strom aus- als eingeführt. (Bild: Fraunhofer ISE)

In diesen Tagen wird allerdings auch deutlich, dass es langsam Zeit wird, Speicherkapazitäten auszubauen. Wegen Dunkelheit, Wolken und wenig Wind konnten die Erneuerbaren Dienstag und Mittwoch meist gerade 20 Prozent des Bedarfs abdecken.

Zuvor hatte es hingegen Windstrom fast im Überfluss gegeben und auch während der verbrauchsarmen Feiertage lassen die Wettervorhersagen mit reichlich Wind rechnen. Techniken, die die elektrische Energie kostengünstig und in großer Menge für einige Tage bis zu einigen Wochen aufnehmen können, müssen her. Welche das sein könnten, ist hier bereits dargestellt worden.

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