"Wir sind stolz, kapitalistisch zu sein"

Google zahlt kaum Steuern, findet das aber ganz in Ordnung

Google wendet wie andere IT-Unternehmen alle Tricks an, um möglichst wenig Steuern zu zahlen, also möglichst viel Geld einzustreichen und sich nicht an den Kosten in den Staaten zu beteiligen, in denen die Gewinne gemacht werden.

Schlechtes Gewissen hat man im Suchmaschinenkonzern keines, die beiden Gründer hatten vor dem Gang zur Börse noch beteuert, dass Google niemals böse sein wird. Fragt sich eben nur, was das bedeutet. Googles Vorsitzender Eric Schmidt sagte lapidar zum Vorwurf der Steuervermeidung: "Das nennt man Kapitalismus." Und er fügte hinzu: "Wir sind stolz, kapitalistisch zu sein." Dann muss er sich nur noch eine dicke Zigarre anstecken.

Immerhin hat Google 2011 weltweit Steuern in Höhe von 2 Milliarden US-Dollar vermieden, indem Gewinne in Höhe von 9,8 Milliarden einer Firma auf Bermuda zugeschrieben wurden ( Warum Google kaum Steuern zahlt). Sauer sind u.a. Australien, Frankreich, Großbritannien und Italien, die gerne Steuereinnahmen vom profitablen Konzern erzielt hätten, Deutschland scheint dies noch egal zu sein. Allerdings dürfte Schmidt Recht haben, wenn er sagt, dass die Steuervermeidungstricks legal sind. Solange Staaten sich gegenseitig wie einst das Lumpenproletariat Konkurrenz machen, um wenigstens ein bisschen vom Kuchen zu erhalten, werden transnational agierende Konzerne mit Heerscharen von Experten immer Möglichkeiten finden, ihre Steuerlast drastisch zu senken, was normale Angestellte und kleine Firmen nicht können.

Die Kapitalismus-Feier von Google geht selbst dem britischen Minister für Unternehmen, Innovation und Qualifikationen, Vince Cable, zu weit. Das kann schon Kapitalismus sein, sagte er, "aber es ist sicherlich nicht die Aufgabe der Regierung, sich damit zufrieden zu geben". Er stellte fest, was seine Regierung mit der Beibehaltung der britischen Steuerparadiesen nachhaltig untergräbt, dass nationale Steuersysteme wenig Chancen gegenüber transnationalen Unternehmen haben: "Zugunsten der Steuerzahler müssen wir die Situation verändern." Cable hofft auf die G8, macht aber selbst keinen Schritt.

In Großbritannien, dem zweitgrößten Markt für den Konzern, hatte Google mit 4,1 Milliarden US-Dollar 11 Prozent seines Umsatzes erzielt, aber gerade einmal 6 Millionen Pfund an Steuern gezahlt. Für seine Profite im Ausland zahlte der Konzern gerade einmal eine Rate von 3,2 Prozent an Steuern, was auch Mitt Romney beeindrucken dürfte, nicht aber die Masse an "normalen" Steuerzahlern.

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