"Wir stehen an der Seite des Papstes"

Großbritannien: Eine muslimische Ministerin warnt vor der "militanten Säkularisierung" und empfiehlt das Christentum zur Förderung der sozialen Harmonie

Sayeeda Hussain Warsi, seit 2007 geadelt, Geschäftsführerin der Konservativen in Großbritannien, ist die erste muslimische Ministerin (ohne Geschäftsbereich) einer britischen Regierung. Nun tritt sie an der Spitze einer britischen Delegation aus Regierungsmitgliedern einen Besuch beim Papst an. Dafür hat sie eine Rede vorbereitet, die in britischen Medien heute für hochgezogene Augenbrauen sorgt. Sie schlägt darin eines der Lieblingsthemen des Papstes an: die Gefahr des Säkularismus, vor der Papst Benedikt bei seinem UK-Besuch im September 2010 warnte: Damals hatte der Papst geäußert, dass der "atheistische Extremismus" und der "aggressive Säkularismus" sich als Wegbereiter für schlimmste politische Entgleisungen herausstellen könnten. Als Exempel führte der Papst den Holocaust an (siehe Der Papst hat es nicht leicht in Großbritannien).

"Wir stehen an der Seite des Papstes", bekräftigt Baroness Warsi in ihrer Rede, in der sie von ihrer Befürchtung spricht, "dass eine militante Säkularisierung dabei ist, unsere Gesellschaften zu beherrschen".

Wie der Papst stellt sie einen Bezug zum Totalitarismus her. Der militante Säkularismus sei "im Kern und in seinen Instinkten zutiefst intolerant" und weise ähnliche Züge auf wie totalitäre Regime. Einen Verweis auf die Toleranzfähigkeiten von Religionen, die sich mit politischer Macht eng schließen, erspart sie sich.

Warsi plädiert für eine größere Rolle des Christentums im öffentlichen Leben, um "soziale Harmonie" zu ermutigen - was der Guardian spitz damit kommentiert, dass dies eine Ablehnung des Multikulturalismus impliziere. In ihrer Rede steht tatsächlich das Christentum im Mittelpunkt, ansonsten ist vor allem vom Glauben die Rede, der Brücken schlagen kann. Eine stark idealisierte, von der Realität abweichende sonntägliche Auffassung, der die Geschichtsbücher in vielen Punkten widersprechen.

Dem Papst wird die Rede gefallen, da Sayeeda Hussain Warsi christliche Fundamente in Europa für so wesentlich hält wie Felsen in der Landschaft. Reaktionen der muslimischen Vertreter in Großbritannien auf die christliche Botschaft von Lady Warsi sind noch nicht bekannt.

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