Wissenschaftler konnten das sexuelle Begehren bei Insekten ausschalten

Ein Neuropeptid reguliert das sexuselle Verhalten bei Insekten und Gliederfüßern

Bei Organismen, die eine Plage darstellen, ist es wohl ein Erfolg, einen Schalter zu finden, um die Sexualität zu blockieren und damit die Reproduktion zu verhindern. Ein internationales Wissenschaftlerteam hat, wie es in einem Bericht für die Proceedings of the National Academy of Sciences beschreibt, erstmals ein Neuropeptid entdeckt, das bei Insekten wie Fruchtfliegen oder Motten die sexuelle Aktivität reguliert.

Das Neuropeptid Natalisin, das aus kurzen Ketten von Aminosäuren bestehr und sich im Gehirn von Insekten findet, kann Signale über den ganzen Körper verbreiten. Das Neuropeptid gibt es zwar nur bei Insekten und Gliederfüßern, aber es scheint ähnlich dem Neuropeptid Tachykinin zu sein, das sich bei Säugetieren findet, aber dort eine andere Funktion hat, beispielsweise den Blutfluss reguliert. Bei Insekten und Gliederfüßern ist Natalisin verbunden mit der Reproduktion und dem Sexualverhalten.

Die Wissenschaftler haben bei Insekten untersucht, welche Folgen es hat, wenn Natalisin ausgeschaltet wird. Offenbar verlieren die Insekten die Lust, sich zu begatten, und sie werden auch unfähiger, sich zu reproduzieren. Bei Fruchtfliegen sind die Weibchen dann zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um noch paarungswillige Männchen zu bemerken, während die Männchen kein so starkes Signal mehr an die Weibchen schicken können, um sie aufmerksam zu machen. Zumindest sind die Reaktionen verzögert. Wenn die Aufmerksamkeitsökonomie der sexuellen Kommunikation zusammenbricht, dominiert sexuelle Inaktivität.

Sollte dies tatsächlich der entscheidende Mechanismus sein, würde man die Vermehrung von Insekten verhindern können, wenn man das Neuropeptid ausschalten kann. Und weil Natalisin angeblich nur bei Insekten und Gliederfüßern wirkt, würde dies auch keine anderen Organismen betreffen.

Allerdings könnte es sein, dass auch bei Säugetieren und Menschen das sexuelle Begehren auf ähnliche Weise ausgeschaltet werden kann. Das könnte attraktiv sein, um neurochirurgische Eingriffe oder chemische Kastration bei Sexualstraftätern zu ersetzen. Man könnte freilich auch Bevölkerungsgruppen von der Reproduktion ausschließen, was bislang durch Kastration gemacht wurde.