Wissenschaftsverlag Elsevier klagt gegen Schattenbibliothek

Angebote wie das Library Genesis Project seien eine Gefahr für die Gesundheit, da sie nicht korrigierte Informationen enthielten

Der Wissenschaftsverlag Elsevier reichte am 3. Juni eine Klage am New York District Court ein, deren Ziel es ist, den Takedown der Seite Library Genesis Project zu erwirken. Beim Library Genesis Project handelt es sich um eine Schattenbibliothek, über solche Angebote wird wissenschaftliche Literatur, meist unter Verletzung des Copyrights, entegeltfrei oder gegen Zahlung geringer Gebühren bereitgestellt.

Diese Datenspeicher sind Verlagen, deren Geschäftsmodell auf Subskription, sprich dem Verkauf wissenschaftlicher Literatur, basiert, ein Dorn im Auge. Wissenschaftler, deren Einrichtungen sich die mitunter teuren Zeitschriftenabonnements nicht leisten können oder wollen, haben allerdings eine wohl eher pragmatische Perspektive und sehen in ihnen vermutlich eine nützliche Quelle der Literaturversorgung.

Bereits 2013 klagte Elsevier gegen das Wissenschaftlernetzwerk academia.edu, da Wissenschaftler dessen Funktionalitäten nutzten, um Publikationen online zu stellen, an denen sie zuvor dem Verlag die Nutzungsrechte abgetreten hatten.

Auch wenn die Rechtslage die Klage Elseviers deckt, überrascht ihre moralische Orchestrierung, die Newsplattform torrentfreak.com zitiert Tom Allen, Präsident der Association of American Publishers (AAP), mit den Worten: "Scholarly publishers work to ensure the accuracy of the scientific record by issuing corrections and revisions to research findings as needed; Libgen typically does not." Besonders, so Allen, seien Angebote wie das Library Genesis Project eine Gefahr für die Gesundheit, da sie nicht korrigierte, falsche Informationen enthielten.

Allens Beschreibung der verlegerischen Leistungen bei der Korrektur fehlerhafter Publikationen ist jedoch etwas schönfärberisch. Nicht wenige Verlage stellen Errata, korrigierende Informationen zu publizierten Artikeln, selbst wiederum nur gegen Zahlung bereit. Wer einen mittels Erratum korrigierten Artikel nicht via institutionellem Abonnement bezogen hat, sondern selbst gezahlt hat, muss für das Erratum nun nochmals zahlen, im Falle eines Artikel aus dem Verlag Springer z.B. satte 34,95 €. Springer, so könnte man diese Praxis interpretieren, schätzt Geld als mehr als Gesundheit.

Und auch kommerzielle Datenbanken wie das Web of Science weisen nicht oder nur schleppend nach , wenn etwa ein Artikel, zum Beispiel wegen Plagiarismus oder nachgewiesenen Fehlern, zurückgezogen wurde. Und dass, entgegen Allens Argumentation, ungehinderter Zugang zu wissenschaftlichen Informationen die Medizin voranbringen kann, bewies 2013 der damals sechzehnjährige Jack Andraka, der mittels frei verfügbarer Publikationen einen neuen und günstigeren Test auf Bauchspeicheldrüsenkrebs entwickelte.

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