"Wo die Vertragsbedingungen sagen 'Rückzahlung' sagen wir 'Nein'"

Der irische Independent hat abgehörte Gespräche des Top-Managements der 2008 gestrauchelten Anglo Irish Bank veröffentlicht, die einen erschütternden Blick hinter die Kulissen der Hochfinanz erlauben

Es war am 18. September 2008, drei Tage nach der Lehman-Pleite, als John Bowe, der Direktor für Kapitalmärkte und Treasury, seinen für das Retail Banking zuständigen Kollegen Peter Fitzgerald über eine Besprechung mit der Irischen Notenbank und den Regulatoren unterrichtete, die am Vortag stattgefunden hatte. Die in Dublin angesiedelte Bank mit damals rund 100 Milliarden Euro an Bilanzsumme hatte sich zuvor massiv im Immobiliensektor engagiert und war dementsprechend schwer von der gerade eskalierten Finanzkrise betroffen. Die Zeit war offenbar bereits eher knapp, denn ohne "Deal" wäre, wie Bowe gegenüber Fitzgerald anmerkte, die Bank innerhalb einer Woche pleite gewesen.

Zu diesem Zeitpunkt war die unmittelbare Gefahr jedoch bereits abgewendet, da die Notenbank am Vortag sieben Milliarden Euro zugesichert hatte. Bowes Schilderung, wie es zu diesem Deal gekommen ist, enthüllt den Zynismus der Banker ebenso wie die Hilflosigkeit der Behörden, die von der Bank glatt über den Tisch gezogen wurden. So war Bowe, als er die Behörden gemeinsam mit seinem CEO David Drumm über die Notlage unterrichtete, von Anfang an klar gewesen, dass die genannten sieben Milliarden keinesfalls ausreichen würden, um die Bank zu retten, sondern nur den aktuellen Liquiditätsmangel bereinigen und die Bilanzerstellung ermöglichen würden.

Den tatsächlichen Bedarf zu nennen, hätte die Behörden vielleicht abgeschreckt, so hatte er zwar "viel gefordert, aber auch nicht zu viel". Denn hätte der Staat "Skin in the Game" und könnte ohnehin nicht mehr zurück; der Betrag würde "nach oben kriechen", bis die Bank letztendlich verstaatlichen würde – "und dann behalten wir unsere Jobs", wie Bowes zutreffend prognostizierte. Tatsächlich wurde die Bank im Jänner 2009 verstaatlicht, was die Steuerzahler 30 Milliarden Euro kostete.

Bowes: "Yeah and that number is seven (€7bn) but the reality is that actually we need more than that. But you know the strategy here is that you pull them in, you get them to write a big cheque ... and they have to support their money."

Fitzgerald: "Yeah. They've got skin in the game and that is the key."

Bowes: "They might say the cost to the taxpayer is too high. But if it doesn't look too big at the outset ... if it looks big enough to be important, but not too big that it kind of spoils everything, then, then I think you have a chance ... it can creep up."

Fitzgeralds Frage, wie sie gerade auf sieben Milliarden gekommen wären, führt bei Bowes zu einem Lachanfall: "Wir haben es uns, wie (CEO) Drumm sagen würde, aus dem Arsch gezogen." Und beide lachen, nachdem Bowe konstatiert, dass sie auch diese Sieben Milliarden niemals werden zurückzahlen könnten. Sie hätten den Behörden einfach einen Zeitplan vorgelegt und gesagt, "das brauchen wir", was alle "ziemlich rasch ernüchtert" hätte. Auf die Frage nach dem Rückzahlungstermin bricht wieder Lachen aus: "Es ist ein Überbrückungskredit, der so lange läuft bis wir ihn zurückzahlen können, also niemals." "Und das steht so auch in den Vertragsbedingungen?" "Ja. Wo die Vertragsbedingungen sagen 'Rückzahlung' sagen wir 'Nein'." - und dann hätten die Behörden "frische Unterwäsche" benötigt.

Bowe: (laughing) "That's right, so under the terms and conditions that say 'repayment', we say 'no'."

Fitzgerald: "None ... just none. Non-applicable. Okay and what did he (official) say? 'I need a change of underwear?'"

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